Studien zur Anthroposophie

Michael Muschalle


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Lyrische Ungereimtheiten

Texte zum Nachdenken, zum Ablachen und Abhusten

von J. W. Göde

Über diese Lyriksammlung

***

Mancher,

Den die Zeit umlebt,

Liegt noch immer auf der Lauer,

Und wartet noch

Auf seine Dauer

*

Quantenphysikalische Implantate

Der Zustandsvektor des Rosinenparameters ergibt sich aus der quadrierten Wellenfunktion des Reibekuchens nach der Regel:

p*n/2(r-a)

wobei p die Umlaufgeschwindigkeit des Rosinenparameters darstellt, vermindert um die dreifach hexagonale Monotonie des Weberschen Modulationskriteriums.

n/2 ist der Imaginärbetrag des quadrierten Reibekuchens, wobei die Hypothenuse des Reibekuchens nach dem Fernauerschen Postulat als statische Größe angenommen wird.

Den Wert (r-a) erhält man aus den beiden Divergenzen der quasistabilen Tensionsamplituden eines statischen Reibekuchens nach Wertheimer.

Durchläuft nun der Rosinenparameter bei gleichbleibender Konsequenzbeschleunigung einen durchbrochenen Winkelmultiplikator, wobei der Cosinus zwischen der Reibekuchenhypothenuse und der zugehörigen Gemüsekathete eine fiktive Korrelationsgröße darstellt, dann ergeben die Imaginärfunktionen der Reibekuchen- und Rosinenvektoren ein nicht-klassisches Bündel von Zustandstrajektoren, die orthogonal zur Wellenfunktion des Rosinenquadrats stehen.

*

Das Wetter für Morgen

Böen gibt es

In den Höhen

Und miefen wird es

In den Tiefen

*

Melancholikers Nachtlied

Die Sonne sinkt,

Die Morchel stinkt,

Was mir der Tag

Wohl sonst noch bringt?

*

Westfälischer Juli

Sommerschnoppen

Tut jetzt troppen

Aus dicken schwarzen

Wolkenmoppen

*

Schöner Mai

Von oben ruft der Flötenkönig,

Von seiner Flöte

Sieht man wenig

*

Lyrischer Metabolismus

Der Spasmus eines vorläufigen Hexameters erlaubt keinerlei Aufschlüsse über sein intrinsisches Klangpotential, da sein Metabolismus in erster Linie durch ausgeprägte sensorische Tendenzen determiniert ist. Auf diesen fundamentalen Zusammenhang weisen Thorndyke, Farnborrow, sowie Weinheber und Mitarbeiter hin.

Während sich aus der Überlagerung der endständigen Klangkomponenten in aller Regel doppelläufige Versmaße extrahieren ließen, blieben bei gleichem Ausgangsmaterial die Korrelationen zwischen Klangpotential und infiltriertem Versmaß indifferent.

Wie Kluckenbaum et al. zwischenzeitlich herausfanden, bleibt der Wirkungsgrad des Hexametermetabolismus auch dann erhalten, wenn ihm spätere Akzentverschiebungen unter dem Einfluß lexikalischer Komponenten beigefügt werden.

Die sich hieraus ergebende statistische Streuung der rhythmischen Potentiale konnten Kluckenbaum et al. überzeugend auf den Einfluß sekundär-rhythmischer Basisfluktuationen zurückführen.

Es bleibt abzuwarten, ob die zunehmende Verengung der Untersuchungen auf basale Stimulationen des Hexametermetabolismus zu einer tragfähigen Neuformulierung der Lyriktheorie führen wird oder nicht.

*

Die Leiche der Hypotaxis

Sehr geehrte Damen und Herren,

auf dem Baum da gibt`s ka Sünd` - wie immer wir diesen Satz verstehen - kaum jemand hat einmal bedacht, wie sehr doch dieses überaus wohlgelittene und dem Dingdong so selten rundlorende Orthogundelfelixhypostumum, das Goldkind der subveterinären Oberkastellaner, sich auf der japanischen Kirsche treibt.

Ja! - werden Sie sagen - das Orthogundelfelixhypostumum und die subveterinären Oberkastellaner; wer wird sich gegen diese Zierde des aperfronen Marmotops innerlich schon auflehnen wollen? Aber die Zeichen! - wir bitten Sie! - die Zeichen weisen doch deutlich darauf hin, daß uns ein neuerlicher Schwung verknorzter Sprachschubletten erst noch ins Haus steht!

Wer hat sich denn stark gemacht dafür, zweimal fünfzehn halbe Rudelbund der allergrößten reziprok gedormelten Versmelker hierher zu beordern? Wir doch nicht! Und wer hat den semiotischen Almarixaldehyden das vorgeschweifte Chiffrenkalumet über das Zwerchfell gedruselt? -

Nun, werden Sie sagen, auf unserem Rücken soll die Leiche der Hypotaxis nicht niederkommen; dagegen werden wir uns zur rechten Zeit zu verwahren wissen. Wer ins Kraut jätet, der soll den rechten Arm nur immer auf den Schwengel nageln; für uns kommt ein solcher Verkloner nicht infrage.

Wenn uns erst einmal der Bart aus dem Ruder gelaufen ist, dann gibt es kein Zurück mehr, dann werden wir fest stehen wie ein vertrakelter Zeilensprung und niemand wird uns auf den Gedanken bringen, auch nur ein einziges Mal das neue Kinnladenfahrwerk ohne den nötigen Sprengschutz auf die Reise zu schicken.

*

Wieso denn?

Wieso denn?---So?---ach so--

Wie?---Ja,---Na ja!---Nee--

Wie?-Wieso denn?--Was?-Och!-

Na ja,--Wie?----Wieso?------

Ja?---Wie?---Wieso denn?----

So?--Na ja,---Wie?---Was?---

Nanu!-Äh!--Was?-Wieso denn?-

Na---So?---Nöh-------Was?---

Nee!--Och!---Wie?---Äh,-----

Wieso denn?--So?--ach so!

*

Meteorologische Liga

Die meteorologische Liga in Offenbach gibt die Ergebnisse der letzten Prognoserunde bekannt:

- Der bäuerliche Wetterdienst Osnabrück schlägt die Sonnenfreunde Baden-Baden mit 3:2

- Wetterdienst Frankfurt gegen Pater Alois Kofelhauer 2:3

- Husumer Windrose gegen Stuttgarter Regenbogen 1:1

- Niederrheinischer Pegel gegen Wetterhahn Augsburg 2:2 nach Verlängerung.

- Wasserfreunde Hamburg gegen Kölner Nebelschwaden ausgefallen wegen schlechter Sicht.

- Das Münchner Meteorologische Institut unterliegt den Bochumer Propheten mit 4:1.

- Die Karlsruher Wetterfrösche besiegen die Dresdner Spekulanten mit 5:4.

- Das staatliche Meteorologische Institut in Kiel unterliegt der Hausfrau Erna Tiedtge aus Helmersdorf mit 4:3

- Der Freiburger Wetterdienst schlägt den Schamanen Mahuwu Mosawi aus dem Asylantenheim Kirchlengern knapp mit 6:5

- Naturfreunde Krefeld gegen den Wetterkurier Darmstadt 2:3

Ohne Gewähr

*

Das Wesen,

Das oft erzählen will,

Die Stimme statt der Arme

Reckend,

Wie ein Kind die kargen Worte fassend,

Und 62 Jahren schon

Getrotzt hat,

Das nach dem freundlichen "Gesundheit" manchmal

Tobt,

Weil es den Sinn der Floskel nicht versteht und

Böses vermutet,

Es murmelt leise buchstabierend

Zeichen aus dem Märchenbuch,

Und es hat neulich Horizonte übersprungen -

Zum ersten Mal

Den Pinsel gefaßt

Und

Ein Rot

Gemalt.

*

Die kleine Pforte von Guérande

Durch dieses Tor

Ist mancher schon gegangen,

Den sie später

Aufgehangen

*

Feuchtgebiete der französischen Atlantikküste

Der Fischer fängt den Kabeljau,

Zu hause wartet seine Frau.

*

Der Froschmann kommt an Land gewatet,

Wo ihm die Froschfrau Fliegen bratet.

*

Die Störchin kocht in ihrem Bau

Schon für das Abendbrot Kakao.

Derweil der Storchmann Frösche zupft,

Die auf der Wiese langgehupft.

*

Das Sonnenwunder

Das Sonnenwunder von Jericho

Erlebte nicht nur der Erich so.

Die Schönheit der Christel aus Mainz,

Sah nur Karl-Heinz.

*

Behauptung

Das Wesen der impliziten Definition besteht in der Abhängigkeit vom Kontext.

Beweis:

Aus der Zermannschen Formel folgt, daß die Summe aus den Katheterquadraten zweier sich überlagernder halbsinniger Löfflerscher Amplituden dem Logarhythmus des Zentralkoeffizienten aus dem Produkt des Frohmannschen Schwingungshexameters und dem Kehrwert seiner extra polierten Sinuskonstante proportional ist.

Geht man nun davon aus, daß der Frohmannsche Schwingungshexameter im reziproken Verhältnis steht zur dritten Potenz des Eingangsindikators der halbsinnigen Löffleramplitude und die Differenz des Radialwertes eines Katheterquadrates von seinem Kreisprodukt gleich dem statischen Mittel der Überlagerungskennwerte einer Normalgruppe sukzessiv verschobener Frohmannscher Schwingungshexameter ist, so ergibt sich daraus das Folgende:

Wegen der vorausgesetzten Abhängigkeit der Zermannschen Formel von der Laufzeit der Versparameter ergibt der Übergang von den Basiseffizienten eines Katheterquadrates zu seinen Beschleunigungshalbwertzeiten einen konstanten Amplitudenbeiwert. Dabei werden den Laufzeiten der Versparameter die Variablen einer Normalgruppe Frohmannscher Schwingungshexameter zugeordnet.

Die Durchlässigkeit einer halbsinnigen Löffleramplitude ist damit abhängig von der Winkelgeschwindigkeit des Frohmannschen Schwingungshexameters und den Beschleunigungshalbwertzeiten eines Katheterquadrates, wobei die Versparameter absolut gesetzt sind.

Beim Verschieben eines Frohmannschen Schwingungshexameters verdoppelt sich die Laufzeit der Versparameter in Abhängigkeit von der Durchlässigkeit einer halbsinnigen Löffleramplitude.

Die Basiseffizienten eines Katheterquadrates erhöhen sich dabei um den Betrag der halben Laufzeiten der Versparameter, wobei die Durchlässigkeit einer halbsinnigen Löffleramplitude mit dem Logarhythmus des Überlagerungskennwertes einer Normalgruppe sukzessiv verschobener Frohmannscher Schwingungshexameter korreliert.

Hieraus folgt, daß zwischen dem Radialwert eines Katheterquadrates und der Durchlässigkeit einer halbsinnigen Löffleramplitude eine mehrdimensionale Beziehung besteht, die dem verschobenen Quotienten aus der Laufzeit rotierender Versparameter und negativ beschleunigter Basiseffizienten eines Katheterquadrates um den Faktor 10 hoch -3,2 vorauseilt.

qed

*

Dem Tacitus zugeschrieben

Als die Germanen

Einmal kamen,

Und sich beim Feuer

Schlecht benahmen,

Gab`s ein paar Nüsse

Auf die Kür

Bisse dann meistens blieben

Im Rahmen

*

Veni vidi Myrthentraum,

Aeh! Was hängt denn da im Baum?

Kein Caerbel ist`s und auch kein Maeder,

- Ich glaub` es ist `ne Vogelfaeder.

Vom Rettichvogel, der da fliegte,

Sich in diesem Baume wiegte,

Und die Faeder dort verlor.

Quaeh Quohr!

*

Fröhliche Zeiten

Das Auge glonzt

Beim Lichterschein.

Es gab mal heut`

Statt Wasser Wein.

*

Frühjahrsschnäppchen

Frühtomaten aus der Düse

Gibt`s heut` beim Gemüse-Hüse,

Und für Mehrzweckscheibenkleister

Wirbt die Firma Klemm & Dreister.

Eins a ungelegte Eier,

Offeriert der Billich-Gaier;

Das halbe Dutzend gar zum Preise nur von sechsen!

Wie kann Gaier solche Schnäppchen hexen?

Hardware mit Millionen Gagabyte,

Hält Drive & Cry k.o. KG für Dich bereit.

Bist jetzt schön mediablöd und saturngeil,

Und im Kopf auch sonst nicht mehr ganz heil,

Geh` zum Shoppingcenter Thün & Kram,

Da nimmt man Dich dann restlos auf den A`m.

-

Dem Sing-Sang folgend

Lief ich talwärts himmelan,

Bis mir der Schweiß allmählich

Längs am Kreuze rann.

Vidi, vada, voodoo, werda!

Schritt um Tritt

Liegt immer mer da!

*

Der volle Mond

Es war der Mond so groß und rund, wie er über`m Hügel stund.

Er sprach zu sich selber: Jetzt werd` ich mal gelber.

Dann werde ich bunter,

Und dann geh` ich

Unter

.

Nu jeihte ouf

Do issa wida!

*

Der rauchende Falter

Leise knistert das Elektrogitter,

Wo ein kleiner Falter zittert.

Rauch quillt sacht aus seinen Poren,

Und die feinen Glieder schmoren.

*

Grüne Geister

"Das Licht

Erschien im selben Augenblick,

Als grüne Geister uns verlassen."

Wer dieses sagt,

Der ist nicht mehr ganz dicht,

Und hat - so glaub` ich -

Nicht mehr alle Tassen.

*

Prima Klima

Die Welt, 

Sie geht grad` unter,

Und alle sind ganz munter.

Nur einen packt der Graus,

Der macht die Lampe aus.

*

Das Blümelein

Ein Blümelein!

Dort kehr` ich ein!

Da ruh` ich aus mein Fliegenbein!

*

Bello Sconi

Als Bello Sconi mal vor seiner Hütte saß,

Und ein Stück aufgetaute Pizza aß,

Da denkt er sich in seinem Sinn:

Wie schön,

Daß ich der Bello Sconi bin!

*

Pfähne

Wind nich mehr viele Pfähne da,

Frirara und frallala!

*

PISA

Kennst Du das Land

Wo Selektionen blüh`n?

Wo schauerliche Rampen

Durch die Erinn`rung zieh`n?

-

Wo die Gespenster

Aus längst abgelebten Zeiten

In ungeahnten Gründen

Noch Gedankenbilder leiten?

-

Wo fruchtet noch,

Was an Dämonenbrut

Gesät, und glauben macht,

Daß es uns Gutes tut?

-

Hörst Du ihn wohl den Schauderton?

-

Selektion!

Selektion!

*

Der Selbstzünder

Er hat ein Dingsda Bumsda Drei-Propeller-Diesel,

Der haut ab wie`n springts herums ha! - superflinkes Wiesel.

Mit FDh PETROL CONTROL,

Und Bügel für den OverROLL.

Mit 6-Gang Turbo Speed EXPLOSION,

4Wheel automatic MOTION.

Keyless Box für Schokoriegel,

Sprachgesteuert und -versiegelt.

Mit EMP und SPD, CDI und FDPI

Mit HIGHfiletty Musicpower,

Für den Turn von langer Dauer.

Liegesitze für den Lover,

Schwarzglas für den Undercover.

Drehknopf für den Blitzableiter,

Wasserkocher, Teebereiter;

LASER SPEED LIGHT, Nebelhorn,

Auspuff hinten - Lenkrad vorn.

*

Kafkas Anstalt



"Sie haben mir wieder die Socken weggenommen!" Die Füsse von Herbert schimmern etwas blau im Morgenlicht. Kalte Füsse. Keine Socken. Und Wasser. Viel Wasser. Sehen manchmal aus wie Elefantenfüsse. Nicht gut so viel Wasser in den Füßen. Macht Elefantenfüsse. Herbert geht langsam auf die 80. Schaut zur Decke. Macht er oft. Liegt lange im Bett. Starrt an die Decke. Da hängt eine Strippe. Mit Glühbirne. Sieht spassig aus. Wie beim Umzug. Herbert zieht nicht um. Ist aber viel rumgezogen. 30 Jahre auf der Strasse. Jetzt hat er ein Zuhause. Zieht nicht mehr rum. Sitzt im Rollstuhl, der alte Zappelphilip. Beine kaputt. Und Krebs. Irgendwo im Bauch. "Seit dem Winter schon." sagt Herbert. "Die Glühbirne." "Seit dem Winter." Das sagt er jetzt fast jeden Morgen. Ist ein bischen Gewohnheit geworden. Das mit den Socken und der Strippe mit Glühbirne. Jetzt hat er fast jeden Morgen was zu sagen. Gut, etwas Struktur im Leben. Früher hatte Herbert zu wenig davon. Deswegen zog er so viel rum, der alte Unruhegeist. Jetzt hat er endlich ein Zuhause. Und Struktur. "Sollte eine neue Lampe montiert werden." "Fiel aber runter." Jetzt hängt da die Strippe. Mit Glühbirne. Leuchtet Herberts Füsse an. Wie beim Umzug. "Seit dem Winter." Jetzt haben wir August. Haben sie gar nicht gemerkt, die Profis von der Anstalt. Können ja nicht immer an die Decke starren. Aber die Socken nehmen sie ihm weg. Da schauen sie schon hin. Weil man mit Socken nicht ins Bett geht. Ist auch ein Stück Struktur. Davon hatte Herbert zu wenig. Jetzt kriegt er sie. Die Struktur. Lernt was fürs Leben. Und außerdem kriegt man von Socken im Bett Fußpilz. Sie wissen bescheid, die Profis aus der Anstalt. Fachleute. Psychiatrie, Sozialpädagogik, Milieutherapie, Krankenpflege und so. Nur keine für Elektro, die an die Decke starren. Aber mit Struktur kennen sie sich aus. Da lernt man was.

"Ich hab` ihm die Mütze weggenommen." "Sonst setzt er die auch noch beim Schlafen auf." Sagt der Profi. Herbert. Die alte Schlafmütze. Geht mit der Mütze schlafen. Wer geht denn mit der Mütze schlafen? Jetzt hat er wieder ein Stück Struktur. Kann fast jeden Morgen was neues sagen: "Sie haben mir wieder die Mütze weggenommen." Alte Schlafmütze.

Anmerkung des Herausgebers: Der vorangehende Text beschreibt keine heute existierenden Verhältnisse, sondern stellt die Momentaufnahme von menschenunwürdigen Feinstrukturen einer psychiatrischen Einrichtung im Sibirien der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts dar. Er stammt aus der Feder des russischen Arztes und Sozialkritikers Gogel-Jahowitsch, eines Zeitgenossen und großen Verehrers Franz Kafkas, dem er diese Zeilen widmete. Der Text wurde von J. W. Göde, ihrerseits eine großen Bewunderin von Gogel-Jahowitsch, übersetzt, redigiert und in einigen Ausdrücken und Berufsbezeichnungen, die es damals nicht gab, der modernen deutschen Ausdrucksweise angeglichen.

*

Bäuerliche Lebensweisheit

Wenn der Hund kräht auf dem Mist,

Hat der Hahn sich mal verpisst.

*

Närrisches Treiben

Auf schwingt das goldne Taggestirn

Sich zu mittäglichem Lauf;

Der Discobube aus Bad Birn

Macht noch immer einen drauf.

*

Fisherman`s Frow

Peter feng some cablejou,

And then gave it to his frow.

*

Ick und Ea

Wohnste noch?

Oder fluchste schon?

*

Das Volk

Wir sind das Volk

Der Quengler,

Der Raser

Und der

Drängler.

*

Falleri

Im Frühetau

Zu Berge

Da ziehn wir

Fallera!

Und die sieben Zwerge

Sind auch schon alle

Da.

*

Pongo

Quinemi pampa pots pallau,

Da pingi panga pongo!

To hassimur ten ten ta gau,

Palam, palai, palaver lau,

Zieh meni meni mongo!

-

To hatula tenti

Va veni babu!

Zieh korko kanover komole!

Et eni po dorpula tovi kanu,

Ma heipu va hastiver ole!

-

Zororer vubinu voveni varau,

Mentele tamoro taloni.

Het henke pentepuli tomo tarau,

Wo hastuver mempe mahoni.

-

Zo hasimur vede,

Ken tempe tavoi?

Hot hingulum tosse tarongo?

Zen zeti zanoro zanara zaroi?

Kwo dipulur panga di pongo!

*

Der Dichter

Der Dichter denkt,

Der Dichter spricht,

Der Dichter macht den Laden

dicht.

*

Der Schlangenbeschwörer

Orientalische Woche

Beim Aldi.

An der

Kasse

Der

Famose

S

c

h

l

a

n

g

e

n

b

e

s

c

h

w

ö

r

e

r

*

Eckzählenzen

Iss mir

Sär unangenäm

Hier in Kenigslodschia

Herum zum puppen.

Bittä um

Ihren Verschtäntniss.

*

Das Schiff

Es kam ein Schiff geladen

Mit Gurgen und Tomaden,

Mit Goks und Getamin

Bis rauf zum Gabedin.

---

Dazu der künstlerische Kommentar unseres sozio-spirituellen Gastmusikers Bill Coppins:

O

Think twice!

If there`s no other way for you and me to

Paradise!

---

Oh - h - h

Think twice!

'cause it's another lay for you and me in

Para-sight!

---

Oh

Think twice!

'cause it's another stay for you and me on

Para-site!

---

Oh-ho-ho

Think twice!

'cause it's another tray for you and me with

Parasite!

---

Ooh

Think twice

...

!

*

Anthrocaching

Weg ist das Ziel.

*

Der Jäger

Der Jäger aus Kurpfalz,

Der riecht so aus dem Hals.

Das Rehlein scheut,

Der Häher schreut,

Der Auerhahn vergisst die Balz -

So riecht`s in der Kurpfalz.

Anmerkung des Herausgebers: Dieses Kunstlied (Kanon) der Spätromantik stellt in etwas übersteigerter Form die Sichtweise der Betroffenen dar. Übereinstimmungen mit wirklichen Personen oder Ereignissen wären eher zufällig und nicht beabsichtigt.

*

Das Mädchen aus Hoya

Ich kannte ein Mädchen aus Hoya,

Das hatte ne schöne Parnoia.

Ich kannte ein Mächen aus Simmering,

Das immer nur quer durch das Zimmer ging.

Ich kannte ein Mädchen aus Mainz,

Das war gar keins.

-

Ich kannte ein Mädchen aus Maschen,

Das tat sich zwanghaft nur waschen.

Ich kannte ein Mädchen aus Husum,

Dem fehlte das Corpus Callosum.

Ich kannte ein Mädchen aus Trier,

Das hatte Arachnaphobia.

-

Ich kannte ein Mädchen aus Posen,

Das hielt sich für Otto den Großen.

Ich kannte ein Mädchen aus Heesen,

Das war stets Prinzessin gewesen,

Über siebzehn Generationen,

Da durfte ich auch einmal wohnen.

-

Ich kannte ein Mädchen vom Niederrhein,

Das glaubte Ciceros Tante zu sein.

Ich kannte ein Mädchen aus Löwenich,

Das war einmal Caesar persöhönlich.

Ich kannte ein Mädchen aus Dings,

Das schielte nach lechts und nach rinks.

-

Ich kannte ein Mädchen aus Lingen,

Das hielt sich für Hildgard von Bingen.

Ich kannte ein Mädchen aus Ammergau,

Das war in Wirklichkeit gar keine Frau,

Sondern Widukind von Hüden,

Den zog es diesmal nach Süden.

Ich kannte ein Mädchen aus Theesen,

Das ist mal Karl Marx gewesen.

-

Ich kannte ein Mädchen aus Flögeln,

Das konnte ganz wunderbar segeln.

Ich kannte ein Mädchen vom Main,

Dem fiel,

Dem fiel,

Dem fiel

Nie was ein.

Anmerkung des Herausgebers: Das Lied stammt aus einer Sammlung des Spätmittelalters. Aufgezeichnet wurde es in der Handschrift "Folkes Lyder unt Lyderlichkeyten" des Franziskanermönchs Wodo von Klemp, der sie in einer geheimen Anlage des Klosters Maria Laach ablegte, die erst kürzlich wieder entdeckt wurde. Das Lied ist ein Beispiel volkstümlicher Gesänge, wie man sie dazumal bei öffentlichen Anlässen pflegte, wie etwa Hochzeiten, Kirchweihfesten und Hinrichtungen.

*

Der Schein der Heiligkeit

Was leuchtet da

So weit und breit?

Das ist der Schein

Der Heiligkeit.

Aus: Johann Praenominus, Von dere Scheyn Heyligkeyt, Basel 1518.

*

Der Standpunkt

Er kam aus Swinemünde

Und hatte seine Gründe

Nach Bremen nicht zu gehn.

Drum blieb er punktum stehn.

*

G-Host

Storm was blowing from the ost,

It was rumoring the G-Host.

You mighty spitty bumpel ghost,

Why are you moving from the ost?

You`d better come here from the west,

Then you would be my gentle guest.

I stop him here,

So that`s the rest.

*

Der Gladiator

Er war ein Gladiator,

Und kam als Konzentrat vor.

Eliminiert und pulverisiert,

Und dann zum Mediengag

X-mal filtriert.

Fröhliche Römerzeit,

Schön war`s bei dir,

Bald ist`s wieder so weit.

*

Jimmy hol den Regenbogen

Jimmy hol den Regenbogen,

Mach`ihn wieder grade.

Denn um dieses krumme Teil

Wär`s ja wirklich schade.

*

Der Kunnich

Der Kunnich und sin Kunnigunde,

Die saßen da in Zwierrunde.

Der Kunnich sprach: Jetzt gehe ich!

Die Gunde sagt: Ich lass Dich nicht!

Dann saß die Kunnigunde

Allein in Einerrunde.

*

Nächte

Es gibt

Tage,

Da steht

Für einen

Moment

Der Himmel

Offen.

*

Die Abrechnung

Hier spricht Bronso!

Sag`dem Aldi, daß ich komme!

Jetzt wird abgerechnet!

Ich bringe meinen Gutschein mit!

*

Nicht für Schulze und Schmidt

Gehst Du

Zum Geist,

Kommt er

Zu Dir,

Gilt

Nicht für Schulze

Und Schmidt.

*

Grau ist der Tag

Grau ist der Tag

Und rauh ist die See,

Drum kaue wer mag

Das maue Filet.

*

Die Ekris

Wenn einer nur im Bett liecht,

Und der andre is besopen,

Dann is dat eine Ekris,

Da kannste nur noch hopen.

*

Simpatie

Gibbest du mich ein Fläsch Bi,

Schenke ich dich Simpatie.

*

Abwracken

Bis zu 2000 Euro

Abwrackprämie

Für Ihren

Alten

Gibt`s bei

Noi.de

*

Cyclers Dream

Where

Does the wind come hair?

From the lend,

Or from the mair?

*

Max Müller

Max Müller war`s,

Der fesche Schimmel,

Steht auf der Wiese

Und träumt zum Himmel:

Ach wenn ich doch eine Müllerin

Hätt`,

Wie wär`das

Nett.

*

Alpha centauri

Ich bin der Mensch,

Der 1000 Jahre dort hin fliegt,

Nur um zu sehen,

Dass es da nichts gibt.

Heey-johoo!

Das ist im Leben

häufig so.

*
Der Tanzbär

Wenn Dich der Geist berührt,

Wie wohl ein jeder schon gespürt,

Dann wirst Du oftmals an der

Nase rumgeführt.

*

(Anmerkung des Herausgebers: Das Problem ist die unzulässige Verallgemeinerung.)

*

The Ralley

On goes the ralley!

To Shareholder Valley!

*

Der Strom

Es schwimmt die Zeit so fort im Leben,

Versilbert und verplätschert dort ihr Blau.

Wird in die Zukunft sich verweben.

Von ferne dämmert`s morgengrau.

*

Apollo 23

Der Mond, der Mond

Ist nicht bewohnt,

Weil sich das Leben da nicht lohnt.

Da gibt es keine Strassenbahn,

Da kannst auch nicht in Urlaub fahr`n.

*

Der Morgen

Hart

Schlägt die Seele auf,

Wenn die Nacht

Gegangen.

*

Das Marmeladenbrot



Otto war ein Kriegskind. Genauer gesagt war er ein Mensch, der als vielleicht sechs- oder siebenjähriger Knabe an der Hand seiner Mutter in den Wirren des zweiten Weltkrieges von Ostpreussen nach Westen geflüchtet war. Vorbei am brennenden Dresden. Mit tausenden anderer durch die Elbauen unter alliierten Kampffliegern hinweg, die, wie er später einmal erzählte, wahllos auf alles schossen, was sich bewegte. Er hatte mit sieben Jahren Berge von verstümmelten Toten, blutenden und verbrannten Menschen gesehen. Die Panik der Flüchtenden unter dem gnadenlosen Geknatter automatischer Waffen und dem Geheul der Tiefflieger. Und hatte noch früher miterlebt, wie sein Vater, ein selbstbewusster und ehrlicher Schneider, nach einem Verhör durch die Naziobrigkeit ohne Zähne als verprügelter und gebrochener Mann nach Hause gekrochen kam.


Ein aufgeklärter gegenwärtiger Zeitgenosse würde vielleicht sagen, dass Otto unter einem posttraumatischen Belastungssyndrom litt. Was damals, als ihm das alles widerfuhr, niemanden interessierte. Später auch nicht, denn da hatte man wichtigeres zu tun, als kriegsverstörte Kinder zu kurieren. Und heute schon lange nicht mehr. Denn Otto lebte, als ich ihn zum ersten mal traf, schon seit Jahren in einer sogenannten Trinkerheilanstalt, wie man im Volksmund so etwas nannte. Wo man wenig danach fragte, was den Klienten dorthin gebracht hatte. Geschweige denn, dass man sich eingehend mit den traumatisierenden oder kausalen Ereignissen seiner Persönlichkeitsgeschichte befasst hätte. Und Otto selbst war dieser Ausdruck vermutlich ebenso fremd wie den Menschen, die ihn betreuten und dort zu versorgen hatten.


Ich wusste von diesen früheren Leben nichts, als ich ihm zum ersten mal begegnete. Er erzählte davon nichts. Ich war ihm wohl ein Fremder, den der berufliche Werdegang zufällig in seine Nähe gebracht hatte. Überdies hatte er andere Sorgen. Denn er litt seit Jahren unter der Parkinsonschen Krankheit, die sein Leben inzwischen weit mehr beanspruchte als die längst vergangene Zeit seiner Kindheit. Das unerträgliche Zittern, der gekrümmte Rücken und die unsensiblen Bemerkungen seiner Mitbewohner angesichts seiner ständigen Kleckerei beim gemeinschaftlichen Frühstück oder Abendessen waren inzwischen zur bestimmenden Grösse seines Seelenlebens geworden. Er entzog sich dem durch häufige depressive Verstimmtheit, und indem er, so oft er es vermochte, die gemeinschaftlichen Mahlzeiten in dieser Einrichtung mied.


Was mich an Otto von Anfang an anzog war seine feine Wahrnehmung für Humor. Auch für abgründige Situationskomik und Selbstironien. Was für einen Bewohner dieser Einrichtung gar nicht typisch war. Er verstand sofort, wenn ich wieder absichtlich oder unfreiwillig etwas besonders Dämliches oder Ungeschicktes gesagt hatte. Wir schauten uns dann wortlos an und lachten uns anschliessend kaputt. Aber er war nie beleidigt.


Man konnte mit Otto niveauvoll über alles reden, obwohl er meines Wissens nie eine höhere Schulbildung genossen hatte. Über Gott, den Glauben und die Welt. Ich habe ihn allerdings niemals danach gefragt, wie er in diese Einrichtung hineingeraten war, in der er jetzt lebte. Gelegentlich, als wir uns schon eine Weile kannten, machte er ein paar vage Andeutungen in dieser Richtung. Aber ich habe damals den Ball nicht aufgenommen, weil ich den Eindruck hatte, es sei ihm peinlich. Und so hielt mich eine Art innerer Takt davon ab in seinen Wunden zu bohren. Wichtiger war mir, ihm meine ganz ehrlich gemeinte Wertschätzung zukommen zu lassen. Und ich glaube das spürte er.


Es war irgendwann im Sommer. Ich hatte eine volle Woche Zeit mich eingehend um Otto und seine Wohngruppe zu kümmern. Eine verständige Kollegin hielt mir dazu den Rücken frei und gab wertvolle Tipps bezüglich Kochgeschirr und ähnlichen Untensilien. Und so konnten wir es uns ganz familiär an einem dieser Abende gemütlich machen. Köstlicher Bratenduft zog durch das Haus. Dazu gab es frische Ananas, herrliches Vanilleeis, duftende Erdbeeren und was das Herz sonst noch in dieser Jahreszeit begehrte. Nur Otto mochte nicht kommen. Er litt wieder einmal unter einer seiner zahlreichen depressiven Verstimmtheiten. Sein Parkinson machte ihm zu schaffen und alles, was damit zusammenhing, wie diese Einrichtung mit ihren Lebensverhältnissen. Es gab tausend Gründe deprimiert zu sein. Und er hatte mir schon am Nachmittag entschuldigend angedeutet, dass er wohl nicht kommen würde, da es ihm so schlecht gehe. Vielleicht war es mein Verständnis für seine Lage, das ich ihm signalisiert hatte. Ich übte keinerlei Druck auf ihn aus, obwohl ich ihn sehr vermissen würde. Ich glaube, er wusste beides. Und dann war da noch dieser Duft nach Leckerem, der sogar Bewohner des Untergeschosses nach oben gelockt hatte: Jedenfalls war er plötzlich da. Von seiner Schwäche des Nachmittags war nichts mehr zu sehen. Er setzte sich und genoss mit sichtlichem Appetit mit uns das Abendessen.


Wir sassen wohl eineinhalb Stunden beieinander. Und dann, aus irgend einem Anlass, erzählte er die Geschichte seiner Kindheit. Ganz sachlich abgeklärt und reflektiert, ohne jeden Anflug von Hass oder Selbstmitleid, stellte er die Bilder seiner Kindheit vor uns hin: Den zahnlosen Vater, das brennende Dresden, die Panik der Elbauen. Und zwischen all dem Schrecken den kleinen Jungen an der Hand seiner Mutter. Ich habe nie vor anderen Menschen so viel Hochachtung empfunden wie in diesen Stunden vor Otto.

Wir wissen oft nicht, wer uns da über den Weg läuft. Auch nicht in Einrichtungen wie dieser. Denn ins Innere der Menschen zu schauen ist ein schwieriges Geschäft - auch und vor allem für die Angehörigen von Heilberufen. Aber manches macht betroffen, wenn man in glücklichen Momenten einen Blick dort hineinwerfen durfte, und eine leise Ahnung von dem bekommt, wer dieser andere ist und woran er leidet.

Es war Weihnachten. Eine besondere Zeit auch in dieser Einrichtung. Da wird unendlich viel vorbereitet, gemacht und getan. Einer der feierlichen Höhepunkte war das Weihnachtsessen am heiligen Abend. Für alle im geräumigen Speisesaal wie nach einer bedeutenden Tagung. Es war mit grosser Sorgfalt extra von ausserhalb bestellt worden, damit es auch wirklich schmeckte. Und so türmten sich in der Küche des Hauses die köstlichsten Leckereien. Braten, Salate, feines Kompott im Überfluss.


Als ich am Morgen des ersten Weihnachtstages zu Otto kam, um ihm beim Aufstehen zu helfen, war ich angesichts der staunenswerten kullinarischen Erlesenheiten, deren Reste sich da über die Nacht hin noch immer türmten, sichtlich neugierig, wie er den heiligen Abend erlebt hatte.

"Ach", sagte Otto. "Ich bin da nicht gewesen." "Sie wissen ja, wie es mir bei solchen gemeinschaftlichen Anlässen geht." "Ich mag einfach nicht, dass mich jemand blöde angrinst, nur weil ich wieder gekleckert habe."
"Und?" - fragte ich. "Hat Ihnen denn niemand der Mitarbeiter etwas vom Weihnachtsessen vorbei gebracht?" "Schliesslich haben Sie es doch auch mit bezahlt!"
"Nein", sagte er. "Da kam keiner." Und sichtlich ungerührt fuhr er fort: "Aber ich hatte vom Morgen noch ein Marmeladenbrot."


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Ende offen


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