Studien zur Anthroposophie

Michael Muschalle


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Michael Muschalle

Der Verfall der introspektiven Psychologie und das Methodenproblem der Anthroposophie

(Stand 20.12.07)

Kapitel 4

Potentielle Konvergenzen von Anthroposophie und introspektiver Psychologie.

Eine so klare Scheidung erscheint aus der Retrospektive weniger einleuchtend, als sie vielleicht für Steiner selbst war, dem es hier mehr um die Akzentuierung der Differenzen als der Gemeinsamkeiten ging. Aus der historischen Distanz konturieren sich solche Berührungspunkte jedoch weit stärker als aus der unmittelbaren Gegenwart seiner Zeit. Steiner deutet auf den wesentlichen methodologischen Unterschied zu dieser, aus seiner Sicht "naturwissenschaftlich" genannten Psychologie hin: es geht ihm nicht darum, das gewöhnliche Denken, Fühlen und Wollen zu untersuchen, um auf diesem Wege Auskunft über die höheren Fragen des Seelenlebens zu erhalten, sondern er verändert diese Grundkräfte durch "Seelenübungen" in spezifischer Weise, damit sie das ihnen innewohnende Verborgene offenbaren, und erst dieses kann Auskunft über jene höheren Fragen geben. Steiner gebraucht nicht zufällig in diesem Zusammenhang das Bild einer chemischen Analyse. So wie eine solche Analyse erst nach einer gehörigen Scheidung der Stoffe, einer Reinigung und Verdichtung der Ausgangssubstanzen, den Charakter der beteiligten Elemente sichtbar macht, so muß in analogem Sinne das Seelische durch entsprechende Seelenübungen gereinigt und verdichtet werden, wenn dessen Wesen erkennbar werden soll. Es muß - um bei der Steinerschen Metapher zu bleiben - "labormäßig" zubereitet, aus seinem üblichen Milieu herausgearbeitet und der weiteren Beobachtung erst zugänglich gemacht werden. Die gezielte Veränderung der seelischen Grundkräfte in diesem Sinne ist zentraler Bestandteil der Steinerschen Methodologie.

An dieser Stelle scheinen sich die Wege von Anthroposophie und herkömmlicher Selbstbeobachtungspsychologie zu trennen. Doch diese Trennung, so meine ich, ist keine absolute, weder im Hinblick auf die Methode noch im Hinblick auf die Thematik. Für die Methode gilt, daß diese sich bei Steiner gemäß seiner besonderen Fragestellung verfeinert, weiter ausdifferenziert, womit aber die grundlegenden methodischen Bedingungen und Problemstellungen der gewöhnlichen Introspektion keineswegs obsolet werden. Im Gegenteil setzt die methodologische Verfeinerung der Anthroposophie die Lösung der basalen Probleme einer wissenschaftlichen Selbstbeobachtung voraus. Das heißt, sie hat es nach wie vor mit Fragen des Typs zu tun, die oben angeführt wurden und dazu gesellen sich jene besonderen, die ihr aus ihrer spezifischen Zielrichtung erwachsen.

Doch damit nicht genug. Steiner hat in seiner Schrift "Von Seelenrätseln" (GA-21, 1976, S. 170 f) im Zusatzkapitel 8. Ein oft erhobener Einwand gegen die Anthroposophie ausdrücklich auf die Bedeutung der Psychologie für die wissenschaftliche Grundlegung der Anthroposophie hingewiesen, und zwar in einer Eindringlichkeit, die kaum noch überboten werden kann. Er schreibt dort unter Anknüpfung an Franz Brentano: "Auf einem ganz anderen Felde als diese Forderung nach bequemen Experimentalbeweisen für die anthroposophischen Wahrheiten liegt, was Brentano wollte, indem er immer wieder darnach strebte, in einem psychologischen Laboratorium arbeiten zu können. Die Sehnsucht, ein solches zur Verfügung zu haben, tritt in seinen Schriften oft zutage. Die Umstände haben tragisch in sein Leben eingegriffen, die ihm ein solches versagt haben. Er würde gerade durch seine Stellung zu den psychologischen Fragen Wichtigstes durch ein solches Laboratorium geleistet haben. Will man nämlich die beste Grundlage schaffen zu anthropologisch-psychologischen Ergebnissen, die bis an die «Erkenntnis-Grenzorte» gehen, an denen sich Anthropologie mit Anthroposophie treffen muß, so kann dieses durch ein psychologisches Laboratorium geschehen, wie ein solches Brentano in Gedanken vorgeschwebt hat. Um die Tatsachen des «schauenden Bewußtseins» herbeizuführen, brauchten in einem solchen Laboratorium keine Experimentalmethoden gesucht zu werden; aber durch diejenigen Experimentalmethoden, die gesucht werden, würde sich offenbaren, wie die menschliche Wesenheit zu diesem Schauen veranlagt ist, und wie von dem gewöhnlichen das schauende Bewußtsein gefordert wird. Jeder, der auf dem anthroposophischen Gesichtspunkt steht, sehnt sich ebenso wie Brentano, in einem echten psychologischen Laboratorium arbeiten zu können, was durch die heute noch gegen die Anthroposophie herrschenden Vorurteile unmöglich ist."

Die Psychologie wird hier von Steiner als Vorbereitungswissenschaft verstanden. Als eine, die den Weg ebnet, auf dem die Anthroposophie weiterschreiten kann. Sie vermag dies, weil sich Anthroposophie und herkömmliche Psychologie notwendigerweise in einem Punkte treffen müssen, wie Steiner ausführt. Man kann es auch anders wenden und sagen: Die Psychologie ist natürlich noch keine Anthroposophie, aber sie kann, ja sie muß von einem bestimmten Punkt an zu ihr werden, wenn sie bis zu den Erkenntnis-Grenzorten geht, an denen sie sich mit der Anthroposophie treffen muß, weil dann die ihr immanente Logik ein Weiterschreiten zur Anthroposophie erfordert. Der gemeinsame Treffpunkt gehört dann konsequenterweise beiden Wissenschaftsrichtungen an. Steiners teils kritisches, teils affirmatives Aufgreifen einiger Fragestellungen Franz Brentanos in der Schrift Von Seelenrätseln unterstreicht diesen Sachverhalt der Durchlässigkeit. Es gibt keine starren Grenzen zwischen einer Psychologie der inneren Beobachtung hier und der Anthroposophie dort. Latent ist die Methode der Anthroposophie in der Psychologie der Selbstbeobachtung schon vielfach vorhanden. Die Anthroposophie verfeinert und kultiviert allerdings etwas in besonderer Weise, das als methodische Möglichkeit und Forderung durchaus zutage tritt, wenn man nur genau genug hinschaut.

Der oben von Steiner geschilderte Sachverhalt wird von anthroposophischen Autoren gern übersehen oder in seiner Bedeutung arg verkleinert. Da werden dann lieber die Grenzen und Differenzen aufgezeigt anstelle von Gemeinsamkeiten, die ja in der Natur der Sache liegen. So auch von Lorenzo Ravagli, nach dessen Bewertung in seiner Meditationsphilosophie (Schaffhausen 1993, S. 334 f) eine eingehendere Betrachtung zeigt, "daß die von Steiner entwickelte Methode der geistigen Selbsterfassung mit der psychologischen Introspektion kaum mehr als die allgemeine Richtung der Aufmerksamkeit gemein hat." Mit Steiners obiger Einschätzung ist diese Beurteilung wohl kaum zu begründen. Ravaglis Auffassung kann nicht für die Anthroposophie im allgemeinen gelten, weil diese zumindest an den von Steiner genannten Erkenntnis-Grenzorten sich in ihrer Methode nicht grundsätzlich unterscheiden kann von derjenigen einer Psychologie, die dasselbe Feld bearbeitet. Sie gilt auch nicht für die Philosophie der Freiheit, auf die sich Ravagli im engeren Sinne bezieht, weil diese sich selbst methodisch im Bereich der von Steiner erwähnten Erkenntnis-Grenzorte bewegt.

Und in einem, so meine ich, tut Ravagli der Philosophie der Freiheit gedanklich Gewalt an, die geeignet ist, die methodische Verbindung zwischen Anthroposophie und Psychologie der Selbstbeobachtung zu verschleiern: So geht er auf S. 335 ff in Abweisung jeder näheren Verwandtschaft zwischen Anthroposophie und introspektiver Psychologie der für sich genommen durchaus berechtigten Frage nach, was denn vom Standpunkt der Grundlinien oder der Philosophie der Freiheit "als Innenschau und Selbstbeobachtung bezeichnet werden kann." Im engeren Sinne: "Was kann ... vom Standpunkt ... des im Denken tätigen Ich «innen» sein?" Wobei er allerdings außer Acht läßt, daß uns in der Philosophie der Freiheit Steiner im Kapitel IV. (S. 76 f) eine ganz andere methodologisch relevante Unterscheidung präsentiert: "Ich bin in der Lage, die Vorgänge in meinem Organismus bis zu den Prozessen in meinem Gehirne zu verfolgen, wenn auch meine Annahmen immer hypothetischer werden, je mehr ich mich den zentralen Vorgängen des Gehirn es nähere. Der Weg der äußeren Beobachtung hört mit dem Vorgange in meinem Gehirne auf, und zwar mit jenem, den ich wahrnehmen würde, wenn ich mit physikalischen, chemischen usw. Hilfsmitteln und Methoden das Gehirn behandeln könnte. Der Weg der inneren Beobachtung fängt mit der Empfindung an und reicht bis zum Aufbau der Dinge aus dem Empfindungsmaterial. Beim Übergang von dem Hirnprozeß zur Empfindung ist der Beobachtungsweg unterbrochen." (Anzumerken ist: Steiners Darlegung ist hier auf die spezielle Frage gerichtet, wie wir Kunde von den äußeren Gegenständen erhalten, daher reicht im vorliegenden Fall die innere Beobachtung bis zum "Aufbau der Gegenstände aus dem Empfindungsmaterial". Der genannte Aufbau der Gegenstände ist hier nicht im Sinne einer absoluten Grenze der inneren Beobachtung gemeint, sondern auf den sachlichen Kontext bezogen.)

Für die methodische Gliederung in innere und äußere Beobachtung, so viel ist ersichtlich, ist im vorliegenden Fall nicht die Frage relevant, was vom Standpunkt des Ich innen oder außen ist, sondern: Wo liegt die Grenze zwischen naturwissenschaftlicher und seelenwissenschaftlicher Beobachtung? Ob die Empfindung auch vom Ich aus gesehen innen liegt, d.h. der Innerlichkeit des Ich selbst angehört, oder ob sie vom Ich aus wie etwas relativ zum Ich Äußeres angeschaut wird, ist eine durchaus ernstzunehmende Frage, ebenso wie die Frage, ob es relativ zum Ich eine geistige Außenwelt gibt und woran man das festmacht. Doch unabhängig davon wie man sie beantwortet, gilt: Sie ist für das naturwissenschaftliche Verfahren nicht erreichbar. Die physiologische Untersuchung des Gehirns stößt nie auf Empfindungen, geschweige denn auf Gefühle, Gedanken, Willensprozesse oder gar auf ein «Ich». Sie findet stets materielle Vorgänge. Schon die Empfindung aber ist etwas Seelisches. Zwischen dem physiologisch-materiellen Hirnprozeß und dem Seelenerlebnis der Empfindung liegt für die Naturwissenschaft eine unübersteigbare Grenze, die zugleich jene der äußeren und inneren Beobachtung ist. Und genau diese von Steiner angeführte Grenzziehung zwischen äußerer und innerer Beobachtung ist es, die für die Introspektion entscheidend und wissenschaftlich für sie schicksalsbestimmend geworden ist. Und sie ist es auch für die Anthroposophie.

Fazit: Die geistige Selbsterfassung des «Ich» kann überhaupt nur in der Form der inneren Beobachtung stattfinden. Soweit es also um diese Selbsterfassung geht ist die Anthroposophie apriori eine introspektive Wissenschaft. Aber die innere Beobachtung bleibt nicht auf die geistige Selbsterfassung des «Ich» beschränkt, sondern richtet sich auf sämtliche Erscheinungen des seelischen Innenlebens. Innerhalb dieser Erscheinungen liegt auch das «Ich» mit allem was sich daran knüpft. Wie das alles miteinander zusammenhängt, das zu klären ist eben Aufgabe einer Wissenschaft der inneren Beobachtung, die demnach sehr verschiedene Teilbereiche dieses Innenlebens ins Auge fassen kann. Es kann demnach gar nicht um die Frage gehen, ob andere Vertreter einer Wissenschaft der inneren Beobachtung auf dem selben Feld forschen wie die Anthroposophie oder nicht, sondern darum, ob ihre Methoden, wenn sie denn denselben Fragen nachgehen, dem Gegenstand adäquat und leistungsfähig genug sind. Und was ihnen die Anthroposophie in dieser Hinsicht möglicherweise voraus hat. Mit Ausgrenzungen ist hier überhaupt nichts gewonnen. Vielmehr muß konkret und nicht nur im allgemeinen gezeigt werden, worin denn die besondere Leistungsfähigkeit der anthroposophischen Methode besteht, und was einen Nichtanthroposophen dazu bewegen könnte sie sich zu eigen zu machen.

Ich möchte Ravagli, den ich im übrigen ja sehr schätze, hier weiter keinen Vorwurf daraus machen, daß er da etwas wichtiges übersehen hat. Vielleicht ist ja in der zweiten Auflage seiner Schrift die Sache anders dargestellt. Aber es scheint mir doch symptomatisch für den desolaten Stand der Steinerforschung ingesamt, wenn in einem so umfangreichen und anspruchsvollen Projekt, wie es sich Ravagli mit seiner Meditationsphilosophie vorgenommen hat, eine so grundlegende Steinersche Begrifflichkeit wie die von innerer und äußerer Beobachtung schlichtweg ungeklärt ist, und sich der Autor infolgedessen zu wissenschaftlichen Abgrenzungen versteigt, die wenigstens zum guten Teil Folge einer unzulänglichen Begrifflichkeit sind. Ravagli, darin sehe ich das Kernproblem, ist in gewisser Hinsicht auch ein Leidtragender der weltanschaulichen Schicksalsgemeinschaft, der er angehört. Und in dieser Schicksalsgemeinschaft ist eingehendere Forschung über derartige Sachverhalte nicht eben angesagt. Normalerweise gehören offene Detailfragen dieser Art sicherlich nicht in Bücher wie die Meditationsphilosophie - da sollten sie längst geklärt sein - sondern in Fachaufsätze. Und dafür braucht es Finanzmittel, Publikationsmöglichkeiten und vor allen Dingen - Leser, die an solchen Fragen interessiert sind.

Es wird also von Anthroposophen (vielleicht in der allerbesten Absicht) mitunter einiges getan, um nur ja den Eindruck nicht aufkommen zu lassen, Steiners Anthroposophie habe sachlich irgend eine mehr als nur oberflächliche Verbindung zur introspektiven Psychologie. Aber das führt nicht weiter, sondern schlimmstenfalls zur Blindheit gegenüber den methodischen Schwierigkeiten der Introspektion, aus dem trügerischen Glauben heraus, Anthroposophie sei keine introspektive Wissenschaft und daher von deren Schwierigkeiten nicht betroffen. Mancher auch hält sich lieber an Husserl und seine Phänomenologie und ist geneigt alles andere als psychologische Verirrung zu etikettieren. Angesichts des Umstandes, daß es im gesamten schriftlichen und Vortragswerk Steiners keinen einzigen (!) sachlichen Verweis auf Husserl, wohl aber mannigfache Verweise auf die Psychologie der Selbstbeobachtung und ihre Methodenfragen gibt, ein erstaunlicher Fall von anthroposophischer Tatsachenverdrängung. - Mindestens ebenso erstaunlich wie das vollständige Übergehen Husserls durch Steiner. (Siehe hierzu auch "Zur Unbewusstheit des aktuellen Denkens, Vorwort")

Jene Wissenschaft, von der Steiner in diesem Zusammenhang spricht, jene Psychologie, welche die "inneren Erlebnisse des Denkens, Fühlens und Wollens" betrachtete, war damals weit entfernt von einem allgemeinen Konsens hinsichtlich ihrer Vorgehensweise und noch viel weiter entfernt von der Überwindung jener methodischen Hürden, die sich dem Selbstbeobachter zwangsläufig stellen - vermutlich waren ihr diese Probleme noch nicht einmal zur Gänze bewußt, weil sie einfach keine Zeit hatte, sie zu entdecken und zu benennen. Bezeichnenderweise verlangte Karl Bühler 1908 vor dem Hintergrund methodologischer Kontroversen mit Wilhelm Wundt ausdrücklich die Entwicklung einer psychologischen Quellenkritik, und zwar: "sowohl eine allgemeine, welche eine Theorie der Selbstbeobachtung überhaupt enthält, als eine individuelle, welche uns ein Maß der Zuverlässigkeit für das einzelne Protokoll einer bestimmten Versuchsperson zu bieten imstande ist."33

Die introspektive Psychologie stand noch ganz am Anfang der Entwicklung und war tragischerweise von ihrem Beginn ebensoweit entfernt wie von ihrem vorzeitigen Ende. Bei allem Pluralismus an Methoden und Theorien war eines aber sehr bald klar: eine wissenschaftliche Selbstbeobachtung, wenn sie mehr als nur oberflächliche Erkenntnisse über seelische Zusammenhänge gewinnen will, muß den Beobachter in sehr gezielter Weise verändern, muß sein Denken, Fühlen, Wollen und Wahrnehmen schulen, stärken und sensibilisieren, damit eine solche Beobachtung überhaupt Aussicht auf Erfolg hat. Vieles, was in diesem Zusammenhang seinerzeit offen ausgesprochen wurde, findet sich bei Steiner schon vorweggenommen. Ich habe dies an anderer Stelle ausgeführt.34 Aus den spezifischen Bedingungen der Selbstbeobachtung heraus kommt man ganz naturgemäß zu der Frage: Was muß alles am Beobachter geschult und verändert werden? Wie umfassend können und sollen diese Veränderungen sein, wie macht man das und was stellt sich möglicherweise in der Folge einer solchen Schulung als Beobachtungsresultat ein?

Obwohl es spekulativ klingen mag: ich halte es nicht für abwegig, hier analogisierend auf die evolutionäre Verzahnung von naturwissenschaftlicher Erkenntnis und technologischer Entwicklung zu verweisen. Eine technologische Kultivierung und Steigerung der externen Beobachtungsmöglichkeiten bleibt bekanntermaßen nicht folgenlos für den Erkenntnisstand der Naturwissenschaften und vice versa. Das aktuellste und spektakuläre Beispiel solcher Verzahnung bietet zur Zeit das Hubble Weltraumteleskop mit seinen außerordentlichen optischen Möglichkeiten. Die technisch verfeinerte Wahrnehmungsfähigkeit dieses Instruments führt gerade zu einer Neubestimmung der Hubble-Konstante mit allen sich daraus ableitenden Folgerungen für die Theorie der Kosmogenese, der Sternentstehung und des Weltalters.

Die Instrumente des Selbstbeobachters sind seine seelischen Fähigkeiten, sein Denken, Fühlen, Wollen und Wahrnehmen ebenso wie die ihm zur Verfügung stehende Begrifflichkeit. Was hindert uns daran anzunehmen, daß eine Revision dieses Instrumentariums nicht analoge Erkenntnisschübe nach sich zieht wie die technologische Verfeinerung des naturwissenschaftlichen Instrumentariums?

Steiner zielt sehr konsequent auf eine solche Revision hin und sieht man sich zeitgenössische Abhandlungen zur introspektiven Methode an, so stößt man auch dort allenthalben auf die Forderung einer Beobachterschulung: da wird expressis verbis auf die Notwendigkeit einer guten Ausbildung hingewiesen, wie etwa bei Külpe, oder aber man kommt an Grenzen der inneren Wahrnehmungsfähigkeit, die sich im Prinzip durch ein entsprechendes Training hinausschieben lassen. Die Grundkräfte des Denkens, Fühlens und Wollens stellen solche Grenzen dar und lassen sich durch entsprechende Maßnahmen erweitern. Äußerungen in dieser Richtung finden sich etwa bei Külpe und Müller. Grenzen anderer Art liegen im Bereich sprachlicher Kennzeichnung und der Begrifflichkeit vor. Was man nicht benennen und denken kann, darüber läßt sich schlecht reden und man übersieht es eben in der Regel. Deswegen hält Müller auch den Fachpsychologen für den erfolgreicheren Beobachter und für Dodge ist völlig klar, daß es in der Selbstbeobachtung nicht anders zugeht als in anderen Wissenschaftsbereichen. Anfänger und Laie sehen in einem Mikroskop und bei der Introspektion nur Belangloses, wo sich dem Fachmann eine höchst bedeutsame Welt auftut. (Siehe Anm. 18)

Die Forderung nach Beobachterveränderung geht verständlicherweise noch nicht so weit wie bei Steiner und wird auch nicht mit dessen Entschlossenheit vorangetrieben. Der grundlegende Sachverhalt ist bekannt, was fehlt ist die folgerichtige Umsetzung dieser Einsicht. Gibt es nicht, wenn man diesen Gedanken zu Ende denkt, einen natürlichen Ort der Konvergenz zwischen der Anthroposophie und ihrer wissenschaftlichen Nachbarin? Muß aus der Sicht der introspektiven Psychologie die anthroposophische Methode nicht als eine sachgemäße Weiterentwicklung ihres eigenen Vorgehens erscheinen? Und müßte die Anthroposophie in dieser Psychologie nicht so etwas wie einen noch unvollständigen Vorläufer ihrer selbst sehen können?

Daß diese Veränderungen des Beobachters bei der Selbstbeobachtungspsychologie zunächst nicht so weit gingen wie beim Steinerschen Verfahren und zum Teil auch nur als explizite wissenschaftliche Forderungen fern von ihrer praktischen Realisierung im Raum standen, mag aus der einfacheren Fragestellung heraus einleuchten, aber auch aus dem Umstand, daß natürlich auch in dieser Hinsicht die Dinge Zeit brauchten. Institutionalisierte Wissenschaft läßt sich schwerlich innerhalb weniger Jahre umorganisieren, zumal dann nicht, wenn wesentliche Fragen ihrer Vorgehensweise kaum über das reine Stadium der Exploration hinausgekommen sind. Ich möchte den grundsätzlichen Sachverhalt jedenfalls als deutliches Indiz dafür werten, daß es einen Strang der Kontinuität von dieser Psychologie zur Anthroposophie geben muß und daß die letztere sich durchaus sachlogisch in den Kontext der introspektiven Psychologie eingliedern läßt. Die Konturen dieses Stranges der Kontinuität können noch deutlicher werden, wenn man sich vor Augen hält, wie einer der führenden Psychologen, Oswald Külpe, die weitere methodische Entwicklung seiner Disziplin einschätzte und zu methodischen Kategorien von einer Offenheit kommt, die immerhin eine Verständigungsmöglichkeit über das anthroposophische Vorgehen sichtbar werden läßt.

Ein Beispiel dafür ist der Külpesche Terminus des "inneren Experiments".35 "Unter einem Experiment" erläutert Oswald Külpe in seinen Vorlesungen, "verstehen wir die willkürliche Herstellung eines Phänomens zum Zwecke seiner Beobachtung. ... Beim inneren Experiment ruft der Beobachter in sich selbst das zu bestimmende Phänomen hervor. Es gibt ja eine willkürliche Reproduktion von Vorstellungsbildern und Gedanken und deren Verläufen: man kann sich optische, akustische u.a. Sinneseindrücke willkürlich vergegenwärtigen, ebenso Gedanken, die bei bestimmten Gelegenheiten aufgetreten sind. Man kann sich aber auch phantasiemäßig Vorgänge vorstellen, die noch nie erlebt waren, z.B. anschauliche Gebilde räumlicher und qualitativer Art, man kann Urteile erzeugen, Schlüsse bilden und an ihnen studieren, was für Eigenschaften sie haben. Alle Betätigungen ferner, wie das Beachten, Wollen, Erwarten lassen sich durch das innere Experiment hervorbringen, auch in affektive Zustände, wie Mitleid, Zorn, Freude kann man sich willkürlich hineinversetzen. ... Schon in der alten Psychologie hat das innere Experiment eine Rolle gespielt, wenn es auch nicht als besonderes Hilfsmittel anerkannt worden ist. Man darf es als ein Verfahren bezeichnen, das auch für die praktische Menschenkenntnis seine Bedeutung hat. Denn das Nacherzeugen eines berichteten oder beobachteten Vorganges läßt ihn und damit seine Träger besser verstehen. Der Schauspieler, der sich in einen Charakter und seine Äußerungen hineinversetzt, der Seelenarzt, der sich den Krankheitszustand seines Patienten verdeutlicht, der Verteidiger, der die Tat seines Klienten aus dessen Seele herausentwickelt, der Beobachter einer Statue in ungewöhnlicher Haltung, der diese nachahmt, um sich ihre Wirkung nahezubringen, der Seelsorger, der die Geständnisse aus bekümmertem Herzen völlig begreifen will - sie alle bedienen sich eines solchen Verfahrens. Aber freilich zum psychologischen Experimente wird es nur durch den Gesichtspunkt der wissenschaftlichen Erkenntnis, dem es dient. Hier wird man sich auch des Hilfsmittels der Wiederholung gern bedienen, um durch häufigere Beobachtung eine genauere und sichere Beschreibung herbeizuführen." 36

Diese Ausführungen zeigen einen außerordentlich freilassenden und weitgefaßten Begriff des inneren Experiments, der sich im Gegensatz zum Wundtschen Beobachtungs- und Experimentalbegriff schon sehr weitgehend von naturwissenschaftlichen Vorbildern emanzipiert hat und der hinreichend geschmeidig erscheint, sich dem psychischen Gegenstand anzupassen. Er scheint mir auch für ein Vorgehen wie das Steinersche offen genug zu sein. Die systematische Anwendung der Introspektion war freilich ein noch junges Verfahren und so bedauert Külpe denn auch, daß es eine eigentliche Theorie des inneren Experimentes und seiner Möglichkeiten noch nicht gäbe: "Die vielgeübten Vorgänge des Sichhineinversetzens, der willkürlichen Beeinflussung des eigenen Seelenlebens sind noch viel zu wenig erforscht. Und doch hat das innere Experiment zweifellos eine große Bedeutung für die Psychologie der höheren Prozesse,..." .37

Külpes "Vorlesungen" erschienen posthum 1922, sieben Jahre nach Külpes Tod, zu einer Zeit, als die Steinersche Methodologie längst vorlag, und zu dieser Zeit gibt es - was Külpe ausdrücklich bedauert - keine hinreichenden Erfahrungen mit inneren Experimenten, so daß man daraus hätte zukunftsweisende methodische Folgerungen ziehen oder gar die Umrisse eines anthroposophischen Weges sich abzeichnen sehen können. Man darf vielleicht konstatieren, daß Steiner seiner Zeit voraus war, daß aber seine Vorgehensweise durchaus im Bereich dessen liegt, was Külpe hier als Denkmöglichkeit andeutet. Die methodologischen Denkformen waren bei Külpe gewissermaßen schon angelegt, um die anthroposophische Verfahrensweise wenn nicht vom Grundsatz her schon vollständig zu erfassen, so doch wenigstens eine sinnvolle Verständigung darüber in den Bereich des Möglichen zu rücken.

In einem ganz analogen Sinn wie Külpe, allerdings ohne explizit den Terminus des "inneren Experiments" einzuführen, spricht G. E. Müller elf Jahre früher von willkürlich und zu Beobachtungszwecken erzeugten Bewußtseinsinhalten, sog. "gezwungenen" Bewußtseinszuständen und man hat auch bei ihm den Eindruck, er sei auf dem Wege zu einer Begrifflichkeit, die eine sinnvolle Verständigung über die Schritte der Anthroposophie erlaubt.38 Müller wendet sich in diesem Zusammenhang gegen die pauschale Ansicht Wilhelm Wundts, die Beobachtungsabsicht müsse immer den Vorgang der inneren Beobachtung durchkreuzen. Müller kommt dagegen zur Auffassung, dies sei nur bei "natürlichen" Bewußtseinszuständen der Fall, bei solchen, die von selbst kommen und gehen und ganz ihrer eigenen Dynamik folgen. Bei jenen dagegen, die zum Zwecke der Beobachtung willkürlich evoziert werden, sei die Beobachtungsabsicht nicht anders wirksam als bei externen Beobachtungen. Bei äußeren Beobachtungen, so Müller, "dient die Absicht der Beobachtung eines äußeren Objektes dazu, die verschiedenen Teile des Objekts überhaupt erst zur Wahrnehmung zu bringen oder wenigstens zu deutlicherer Wahrnehmung gelangen zu lassen. Oft hat sie die Wirkung, daß sich die Aufmerksamkeit gewissen Seiten oder Eigenschaften des Objektes... besonders zuwendet. Außerdem pflegt sie die eintretenden Apperzeptionen des Objektes dadurch in ihrem Sinne zu beeinflussen und zu fördern, daß sie einen Kreis geeigneter Vorstellungen in Bereitschaft setzt. Ganz Analoges finden wir in den obigen Fällen, wo es sich um die Selbstwahrnehmung bei gezwungenen psychischen Zuständen handelt. Auch in diesen Fällen dient die Beobachtungsabsicht dazu, den zu beurteilenden Zustand überhaupt erst eintreten zu lassen oder wenigstens mit größerer Deutlichkeit auftreten zu lassen. Auch in diesen Fällen macht sie sich oft dahin geltend, daß sich die Aufmerksamkeit einer bestimmten Seite oder Eigenschaft des auftretenden Bewußtseinszustandes ... besonders zuwendet." 39

Müller sieht sehr klar, daß wesentliche qualitative Aspekte des seelischen Beobachtungsgegenstandes überhaupt erst auf dem Wege solcher gezielten Bewußtseinsakte greifbar werden und Müller ist neben Külpe auch einer derjenigen, die nachhaltig für eine Schulung des Beobachters eingetreten sind. Die gezielte Anwendung solcher Bewußtseinsakte fordert eine systematische Ausbildung geradezu heraus. Für Külpe würden die von Müller erwähnten "gezwungenen" Bewußtseinszustände ausnahmslos unter die Kategorie "inneres Experiment" fallen, da sie zum Zwecke der Beobachtung planmäßig hervorgerufen werden. Andererseits sind auch Steiners Gedanken- und Seelenübungen keine "natürlichen" Bewußtseinszustände im Müllerschen Sinne sondern es handelt sich um solche, die ebenfalls absichtlich (zu Beobachtungs- oder Erlebniszwecken) evoziert werden. Dies gilt für sämtliche Meditationsinhalte und in besonderer Weise für solche gedanklicher Art. Schon eine einfache Gedankenübung gehört diesem Typ von experimentellen Innenerlebnissen an, insbesondere dann, wenn die Aufmerksamkeit auch auf jene subtilen Vorgänge und Wandlungen gerichtet wird, die sich im Zuge solcher Seelenübungen zunehmend deutlicher einstellen. Man kann sehr genau den Erlebnisunterschied daran studieren, der besteht zwischen selbsttätigem Denken und einem assoziativ hin- und herschweifenden. Man kann daran studieren, wie sich das ganze Seelenleben nach solchen Übungen klarer, sicherer und konzentrierter darstellt als vorher, wie das Denkvermögen als solches kräftiger, sachgemäßer und präziser wird. Und was hier für eine simple Gedankenübung gilt, gilt in analoger Weise auch für alle anderen Seelenübungen. Es wird da tatsächlich experimentiert und Külpe hat völlig recht, wenn er dem inneren Experiment eine große Bedeutung für die "Psychologie der höheren Prozesse" beilegt.

Insbesondere wenn man sich die von ihm erwähnten Schwächen des inneren Experimentierens vor Augen hält, wird die Folgerichtigkeit des Steinerschen Vorgehens deutlich, zeigt sich, wie sehr der Steinersche Weg dieses wissenschaftlich-experimentelle Prädikat verdient, weil er konsequent auf die offenkundigen Schwierigkeiten der Selbstbeobachtung reagiert. "Die Nachteile des inneren Experiments", so Külpe, "sind namentlich folgende: Zunächst sein Versagen gegenüber dem ganzen Gebiet der Sinneswahrnehmung, ferner gegenüber feineren Variationen, den Versuch, den Vorgang längere Zeit konstant zu erhalten und simultan einen gewissen Umfang von Gegenständen zu überschreiten. ... Endlich spielt beim inneren Experiment die Abhängigkeit von der Individualität, insbesondere von dem Willen des Beobachters und seinem Wissen um den Zweck des Experiments und seine Bedingungen eine entscheidende Rolle. Diese Abhängigkeit aber bringt erstens die individuellen Unterschiede übermäßig zur Geltung und erschwert zweitens die Wiederholung desselben Versuchs durch andere Beobachter. Gelingt es einem anderen nicht, dasselbe zu finden, so kann das einfach daran liegen, daß es ihm nicht gelungen ist, das Experiment in derselben Weise auszuführen. Und so ergibt sich denn drittens daraus ein Mangel an hinreichender Kontrolle, die auf das kritische Bewußtsein der Vpn selbst beschränkt bleibt. Sie selbst muß untersuchen, und niemand kann ihr dabei helfen, ob sie den zu beobachtenden Vorgang wirklich so erzeugt hat, wie das Ziel des Versuches es erfordert." 40

Die Einsamkeit und Selbstverwiesenheit beim inneren Experiment ist es, die Külpe auch die Forderung nach moralischer Qualifikation des Selbstbeobachters stellen läßt: "Neben den intellektuellen Anforderungen werden in psychologischen Untersuchungen nicht selten auch beträchtliche moralische Anforderungen an die Vpen gestellt. Grundbedingung für das Gedeihen aller menschlichen Leistungen ist ja der gute Wille, die Bereitschaft, übernommene Aufgaben auch sachgemäß zu Ende zu führen; psychologische Versuchsreihen erfordern meist eine große Ausdauer und Regelmäßigkeit, wenn sie zu guten Resultaten führen sollen. Auch die ganze Lebensweise muß unter Umständen streng geregelt und ihnen angepaßt werden; das verlangt Pflichtbewußtsein und Herrschaft über sich selbst." 41

Es macht keine Schwierigkeiten, Steiners Verfahren vor diesem Hintergrund ein experimentalwissenschaftliches zu nennen, schon wenn man nur die speziellen Rahmenbedingungen seines Vorgehens ins Auge faßt. Schaut man sich an, wie er innere Bedingungen des seelischen Erlebens herstellt, die für introspektive Beobachtungsverhältnisse ungemein klar, begrenzt und präzise sind, so fühlt man sich unwillkürlich an das Vorgehen eines experimentierenden Naturwissenschaftlers erinnert, der die Randbedingungen seines Versuchs möglichst exakt definieren möchte, um das fragliche Phänomen übersichtlich und rein vor sich zu haben. Die außerordentliche Inanspruchnahme des Beobachterwillens und der Konzentration, um Bewußtseinsfluktuationen durch assoziativ hin- und herhuschende Gedanken- und Erinnerungsfragmente abzustellen, die Schaffung eines Zustandes völliger innerer Ruhe, die sorgfältige Fokussierung eines willkürlich ins Bewußtsein gerückten Erlebnisgegenstandes bei maximal konzentrierter Aufmerksamkeit. Die entsprechend langfristige und systematische Ausbildung (Schulung) der entscheidenden Bewußtseinsparameter: Gedanken-, Willens- und Gefühlskontrolle, des inneren Gleichgewichts, der Unbefangenheit gegenüber neuen Erfahrungen, der Urteilssorgfalt und Wahrheitsliebe - all dies unterstreicht diesen Experimentalcharakter vollends und fügt sich sehr gut zu der von Külpe implizit und explizit gegebenen Charakterisierung des "inneren Experimentierens" und seiner Voraussetzungen.

Steiner selbst hat gelegentlich zur Kennzeichnung seiner Seelenübungen den Terminus "Seelenexperiment" verwendet 42, freilich eher en passant und nicht in einem systematisierenden Sinn, doch eine genauere Untersuchung könnte diesen "experimentellen" Charakter vermutlich minutiös nachzeichnen, wenn sie sich am Sprachgebrauch der zeitgenössischen Fachpsychologie und an deren methodischen Kategorien orientiert. Ein solcher Ausdruck ist nicht notwendig eine Metapher und die Art, wie Steiner die "Seelenübungen" durchgeführt wissen will, rechtfertigt ihn allemal.

***

Vielleicht noch ein letztes Fallbeispiel von besonderem historischem Reiz um die Reihe abzuschließen. Historisch ist es deswegen interessant, weil es um die Frage geht, ob Anthroposophen evtl. eine realistische Möglichkeit gehabt hätten, mit ihren Methodenvorstellungen auf den Gang der Psychologie Einfluß zu nehmen.

Zu den Pionieren der modernen Denkpsychologie zählt die Würzburger Schule um Oswald Külpe, die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erstmalig experimentelle Selbstbeobachtungsversuche über das Denken im größeren Stil durchführte. Zu den beruflichen Eigentümlichkeiten dieses Psychologen zählte, daß er zugleich Philosoph war, denn die Psychologie war damals noch ein Zweig der Philosophie. Ein Umstand, der enorme Doppelbelastungen mit sich brachte, worunter Külpe schwer ächzte: " ... die Verbindung von Philosophie und Psychologie ist kaum mehr zu leisten. Ich habe deshalb eine Abhandlung geschrieben, die den Vorschlag der Trennung macht und begründet. Anfang Januar soll sie herauskommen und Ihnen natürlich auch vorgelegt werden. Man kann in der Psychologie nicht auf dem Laufenden bleiben, wenn man nicht wirklich mitarbeitet, d. h. namentlich an Einzeluntersuchungen selbst teilnimmt, und dann bleibt für andere Aufgaben auf philos. Gebiet wenig Zeit übrig - wenigstens bei einem Ordinariat, das Staats- und Doktorprüfungen, Seminar- und Vorlesungstätigkeit, Fakultäts- und Universitätsgeschäfte an sich kettet." (An Wilhelm Wundt am 24.12.1911. Zitiert nach Steffi Hammer, Denkpsychologie - Kritischer Realismus. Eine wissenschaftshistorische Studie zum Werk Oswald Külpes. Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt/M, 1994, S. 254)

Einer der philosophischen Schüler Külpes war Friedrich Rittelmeyer, der 1903 bei diesem in Würzburg mit dem Thema Nietzsche und das Erkenntnisproblem promovierte (Siehe S. Hammer, S. 216) und zu ihm sogar, wie er (Friedrich Rittelmeyer, Meine Lebensbegegnung mit Rudolf Steiner, Stuttgart 1983, S. 71) schreibt, in einer sehr nahen menschlichen Beziehung stand. Rittelmeyer war es auch, der 1915 Steiner dazu bewegte, den wissenschaftlichen Kontakt zu Külpe aufzunehmen, was leider über das Anfangsstadium nicht hinauskam.

Nicht nur sachlich, sondern auch menschlich war also die Anthroposophie der Psychologie seinerzeit sehr nahe. Was in einer Phase der wissenschaftlichen Prägung der Psychologie nach Wissenschafts- und Methodenverständnis und angesichts der führenden Rolle, die Külpe in dieser Wissenschaft damals innehatte, folgenreich für die Zukunft dieser Disziplin hätte sein können. Külpe wiederum war als Wissenschaftler ungewöhnlich freilassend und für viele Fragen aufgeschlossen. Man hätte, wie Rittelmeyer (S. 71) schreibt, in der damaligen Zeit als Anthroposoph keinen besseren für einen wissenschaftlichen Austausch bekommen können: "Wer Oswald Külpe kannte, weiß, daß man einen Universitätsprofessor, der philosophisch besser durchgebildet, psychologisch gründlicher geschult, dem Charakter nach reiner, vorurteilsloser und offener gewesen wäre, im damaligen Deutschland kaum finden konnte." Ein Eindruck, der durch die eben erwähnte wissenschaftshistorische Studie Steffi Hammers volle Bestätigung findet. Für eine Begegnung zwischen Anthroposophie und Psychologie war die Konstellation geradezu idealtypisch.

Nun ging es in dem von Rittelmeyer anvisierten Forschungskontakt nicht darum, ein psychologisches Experiment durchzuführen, sondern einen Mann der Wissenschaft mit Steiners außerordentlichen Fähigkeiten zu konfrontieren. Rittelmeyer schreibt (S. 71 f): "Nicht an ein psychologisches Experimentieren im üblichen Sinne dachte ich. Vielmehr sollte der Versuch gemacht werden einen möglichst unbefangenen Mann der gegenwärtigen Wissenschaft den außerordentlichen Fähigkeiten Rudolf Steiners gegenüberzustellen und mit ihm in freiem Gespräch darüber zu reden, wie vielleicht Methoden gefunden werden könnten, mit denen sich die Wissenschaft auf ihre Weise überzeugen kann, ohne sich selbst etwas zu vergeben - aber auch ohne der Eigenart der Phänomene ungerecht zu werden. Es lebte in mir das Gefühl: Rudolf Steiner darf nicht sterben, ohne daß dieser Versuch gemacht ist; eine würdige Auseinandersetzung zwischen der heutigen Wissenschaft und den heraufkommenden menschlichen Fähigkeiten müßte für die ganze Menschheit von unersetzlicher Bedeutung sein."

Diese ganze Strategie Rittelmeyers scheint mir wenig realitätsverankert und mußte sich früher oder später als Totgeburt erweisen, weil sie auf einen der Hauptakteure und seine Belange wenig Rücksicht nimmt. (Bei Lichte besehen steht sie den Belangen beider Hauptakteure ziemlich verständnislos gegenüber.) Denn: - Wie überzeugt man einen unbefangenen, anspruchsvollen, gewissenhaften und von Arbeit überhäuften Mann der psychologischen Wissenschaft von den "außerordentlichen Fähigkeiten" eines Menschen den er gar nicht kennt, ohne auf psychologische Experimente in irgend einem Sinne zurückzugreifen?

Irgendwie hätte sich Külpe als ernsthafter Psychologe ja erst einmal ein Bild von diesen "außerordentlichen Fähigkeiten" Steiners machen müssen. Die kann er ja nicht apriori auf Treu und Glauben voraussetzen. Er wäre also, um seinen wissenschaftlichen Anspruch und Sachverstand zu befriedigen, um psychologische Experimente gar nicht herumgekommen. Und das ist eine Angelegenheit, der selbst Steiner in der Schrift Von Seelenrätseln weit mehr ablehnend als nur skeptisch gegenübersteht: "Es wird oft ein Einwand gegen die Anthroposophie erhoben, der ebenso begreiflich aus der Seelenstimmung der Persönlichkeiten heraus ist, von denen er kommt, wie er unberechtigt ist gegenüber dem Geiste, aus dem heraus das anthroposophische Forschen angestellt wird. Mir erscheint er deshalb ganz unbeträchtlich, weil die Widerlegung für jeden nahe liegt, der mit wirklichem Verständnisse den vom anthroposophischen Gesichtspunkte gegebenen Darstellungen folgt. Nur weil er immer von neuem auftritt, sage ich hier einiges über ihn, wie ich es auch schon in der 6. Auflage meiner «Theosophie», am Schlusse, 1914 getan habe. - Es wird, um diesen Einwand aufzustellen, gefordert, daß die geistigen Beobachtungsergebnisse, die von der Anthroposophie vorgebracht werden, im Sinne der rein naturwissenschaftlichen Experimentiermethode «bewiesen» werden sollen. Man stellt sich etwa vor, einige Personen, die behaupten, sie können zu solchen Ergebnissen kommen, werden einer Anzahl anderer Personen in einem regelrecht angeordneten Experiment gegenübergesetzt, und die «Geistesforscher» hätten dann anzugeben, was sie an den zu untersuchenden Personen «geschaut» haben. Ihre Angaben müßten dann übereinstimmen, oder doch wenigstens in einem genügend großen Prozentsatze sich ähnlich sein. Man kann begreifen, daß, wer Anthroposophie nur kennt, ohne sie verstanden zu haben, eine solche Forderung immer wieder erhebt, denn durch deren Erfüllung würde ihm erspart, sich zu dem richtigen Beweiswege durchzuarbeiten, der in der Aneignung des jedem erreichbaren eigenen Schauens besteht. Wer aber Anthroposophie wirklich verstanden hat, der hat auch die Einsicht, daß ein in der angedeuteten Art angestelltes Experiment zur Gewinnung wahrhaft geistiger Anschauungsergebnisse ungefähr ebenso geeignet ist wie zur Beobachtung der Zeit an einer Uhr die Stillesetzung der Zeiger. Denn zur Herbeiführung der Bedingungen, unter denen Geistiges geschaut werden kann, führen Wege, die aus den Verhältnissen des seelischen Lebens selbst sich heraus ergeben müssen." So Steiner dort (GA-21, 1976, S. 169 f).

Man vergleiche auch, was Steiner am Ende seiner Theosophie (GA-09) im Kapitel Einzelne Bemerkungen und Ergänzungen ausführlich zu diesem Thema sagt. 42a Desgleichen einiges dazu im Kapitel Charakter der Geheimwissenschaft in seiner Geheimwissenschaft im Umriss (GA-13, 1977, S. 40 f). Insgesamt ist es schon erstaunlich genug, daß Steiner selbst, wie Rittelmeyer (S. 72) sagt "zu Experimenten in gewissem Sinn bereit war." Denn die Bandbreite an Möglichkeiten zu derartigen Tests war unter den von Steiner genannten Beschränkungen - vor allem wenn man sich seine diesbezüglichen Ausführungen in der Theosophie vor Augen hält - außerordentlich schmal. Ein wenig davon schimmert durch Rittelmeyers Worte hindurch, wenn er (S. 72) schreibt: "Nur sollte es nicht so sein, daß ein beliebiger Wissenschaftler ihn in seinem Institut einer »Prüfung« unterzieht und ihn dabei womöglich behandelt wie einen zu entlarvenden Verbrecher. Vielmehr sollte es so geschehen, daß ein für die Sache aufgeschlossener Geist seine Fragen stellt und in freier Weise eine Verständigung darüber herbeizuführen sucht, wie die Wissenschaft forschend an die Phänomene herankommen kann." Und Külpe wiederum, mit einigen Schriften Steiners versehen, sah sich außerstande, in einer angemessenen Zeit ein seriöses Projekt ins Leben zu rufen, ohne seine übrige Arbeit gründlich zu vernachlässigen. Die Sache schien ihm einfach zu kompliziert.

Ohne Experimente also wäre es aus der Sicht des Psychologen nicht gegangen, und aus der Sicht Steiners wären Experimente, wenn überhaupt, dann nur in sehr begrenztem Umfang möglich gewesen. Man versetze sich nun weiter in Külpes Lage: Was hätte eine derartige experimentelle Überprüfung ihm als Psychologen geben können außer vielleicht einigen unerwarteten Resultaten? Er hätte ja nicht die leiseste Ahnung gehabt, warum sie so ausfielen. Außer der bekannten Einsicht, daß es zwischen Himmel und Erde mehr gibt als sich die Schulweisheit träumen läßt, hätte er wissenschaftlich nichts davon mitnehmen können. D. h.: der psychologische Detailzusammenhang, auf den es eigentlich ankommt, wird bei derartigen Versuchen gar nicht sichtbar, wie ja auch Steiner in der Schrift Von Seelenrätseln schreibt. Und aus der Sicht des Psychologen leisten Experimentalbeweise in Fragen übersinnlicher Wahrnehmung zunächst herzlich wenig, denn die Zahl der möglichen Erklärungen geht für ihn schier ins Grenzenlose. Wissenschaftstheoretisch gesehen haben sie allenfalls den Charakter von Anomalien: Sie offenbaren eine Diskrepanz zwischen unseren sachlich begründeten Erwartungen und dem, was tatsächlich eintritt, so wie das Leuchten von Röntgens Schirm als er es gar nicht sollte, und damit die Entdeckung der Röntgenstrahlen erst initiierte, aber noch nicht war. Die Arbeit fängt mit der Anomalie erst richtig an. Was im vorliegenden Fall für den Untersucher bleibt, ist allenfalls ein Überraschungsmoment - aber wie geht man weiter damit um? Sollte Külpe sich Steiners Erklärungen zu eigen machen, wo er doch dessen Bücher ohnehin schon nicht verstand? Die gesamte Veranstaltung hätte für ihn nicht sehr viel mehr Aussagekraft als irgend eine spiritistische Sitzung. Bestenfalls ein interessantes Spektakel, und die waren zu Külpes Lebzeiten schon hinreichend bekannt. Die eigentliche Arbeit wäre, ohne apriorische Aussicht auf seriöse und befriedigende Resultate, erst noch vor ihm gelegen und zwar mit einem immensen Zeitbedarf. Und Zeit hatte er nicht. Folglich lehnte er ab, und zwar, wie mir scheint, aus sehr vernünftigen Gründen. Damit war dieses Zeitfenster für den direkten und nachhaltigen Forschungskontakt von Anthroposophie und Psychologie ein für allemal geschlossen, denn Külpe verstarb kurz darauf unerwartet.

Soweit das hier in der Kürze darstellbar ist, haben wir eine eigentümlich widersprüchliche und spannungsgeladene Konstellation:

  • Einmal Friedrich Rittelmeyer, der aus menschlich vielleicht verständlichen Gründen danach strebt, daß sich die zeitgenössische Wissenschaft mit den einzigartigen Fähigkeiten Rudolf Steiners befaßt. Wobei ihm einerseits wenigstens ahnungsweise klar sein mußte, daß Rudolf Steiner diesem seinem Vorgehen keinen besonderen Stellenwert beimessen konnte; ja, es eher ablehnte als ihm zuzustimmen. Und ihm ferner auch klar sein mußte, daß es ein naturwissenschaftlich orientiertes experimentelles Verfahren, sich mit Steiners persönlichen Bewußtseinseigenarten mit Gewinn und Verständnis vertraut zu machen, weder unter den wissenschaftlichen Voraussetzungen der Anthroposophie, noch unter denen der zeitgenössischen Psychologie geben konnte, das die Ansprüche beider Wissenschaftsrichtungen gebührend abzudecken in der Lage war. Die einzige tatsachen- und wissenschaftsadäquate Möglichkeit, die ein Psychologe damals (und heute) zwecks Überprüfung von Steiners Aussagen gehabt hätte, wäre die gewesen, sich selbst auf den inneren Weg zu begeben: "Was die Geisteswissenschaft zu erfüllen hat, ist, anzugeben, auf welchem Wege der Mensch zum Schauen der Aura kommt; auf welchem Wege er sich also selbst die Erfahrung von ihrem Vorhandensein verschaffen kann. Es kann also die Wissenschaft dem, der erkennen will, nur erwidern: wende die Bedingungen des Schauens auf deine eigene Seele an, und du wirst schauen." (Theosophie a.a.O., S. 160)

  • Wir haben weiter einen - sagen wir ruhig: mit Fähigkeiten begnadeten - Menschen (Rudolf Steiner), der wohl Interesse an einer sachlichen Begegnung mit der nichtanthroposophischen Wissenschaft haben mußte und konnte, aber keines an einer Durchleuchtung seiner Hellseherfähigkeiten, die an den experimentellen Methoden der Naturwissenschaft orientiert war. Und das letztere nicht etwa aus persönlichen Gründen, sondern aus Gründen, die in der Eigenart der übersinnlichen Phänomene wurzelten. Und um diese Beschränkungen wissend, läßt er Rittelmeyer in der Kontaktanbahnung mit Külpe mehr oder weniger nach dessen eigenem Geschmack schalten und walten.

  • Schließlich haben wir mit Oswal Külpe einen hervorragenden und führenden Psychologen seiner Zeit, der sich sachlich als idealtypischer Gesprächspartner für die Anthroposophie erweisen könnte, und auch in einer engen menschlichen Beziehung zu einem exponierten Vertreter der Anthroposophie steht. Darüber hinaus ein ausgesprochenes Forschungsinteresse an den höheren Seelenfähigkeiten des Menschen hat, über die er in langen denkpsychologischen Forschungsreihen gearbeitet, publiziert, und entsprechende Forschungsvorhaben ihm verbundener Forscher initiiert und betreut hat. Auf diesen engeren sachlichen Kontext seiner Arbeit im Hinblick auf das Gespräch mit der Anthroposophie aber offenbar gar nicht zielgerichtet angesprochen wird.

Rittelmeyer schreibt (S. 73), daß nicht Steiner in diesem Fall versagt habe. Ich meinerseits erhebe hier nicht den Anspruch allen Beteiligten historische Gerechtigkeit widerfahren zu lassen - dazu ist meine Materialbasis zu dünn. Aber wenn es denn so war wie Rittelmeyer schreibt, dann sehe ich mich zur Frage gedrängt, ob Rittelmeyer Külpe nicht vielleicht ein falsches Stichwort gegeben und eine sich bietende Gelegenheit ein wenig verschlafen hat? Will sagen: Mit diesem Ansinnen sah sich der Mann mit Recht überfordert, denn was von ihm erwartet wurde war viel zu hoch gegriffen und nahm auf seine existentiellen Bedingungen im allgemeinen und die Bedingungen seiner Wissenschaft im speziellen wenig Rücksicht. Steiner war ihm weitgehend unbekannt, und dessen Schriften machten auf ihn nach flüchtiger Durchsicht nicht den Eindruck, daß man hier sofort hätte zugreifen müssen. Es war überhaupt nur das Vertrauen und die menschliche Beziehung zu Rittelmeyer, die ihn bewogen sich näher mit der Angelegenheit zu befassen, wie Rittelmeyer schreibt. Ein bescheideneres, einfühlsameres und zeitlich längerfristig angelegtes Vorgehen, das sich in Külpes Interessenlage einklinkt und nicht verlangte, daß dieser sich aus seinen Angelegenheiten ausklinkt, hätte da wohl mehr Aussicht auf Erfolg gehabt. Zum Beispiel ein Projekt auf rein methodologischer Ebene. Denn Külpe war auch für methodische Fragen außerordentlich aufnahmefähig. Und Anlaß dazu gab es in einer Zeit, in der methodische Fragen der inneren Beobachtung öffentlich und breit diskutiert wurden, reichlich genug. Also wenn überhaupt, dann hätten die Vertreter der Anthroposophie hier die Chance gehabt, ihre methodischen Vorstellungen und deren Überlegenheit mit Vertretern der Fachwissenschaft zu diskutieren und faktisch unter Beweis zu stellen. Gelegenheiten dazu hätten sich unter den gegebenen Bedingungen bei Vermittlung Rittelmeyers mit Sicherheit herstellen lassen, denn Külpe schätzte auch den Dialog mit entlegeneren Richtungen. Die Pflege geistiger Geselligkeit und des Gedankenaustausches auch im Külpeschen Hause, außerhalb des unmittelbaren Universitätsbetriebes, hatte Tradition. Külpe hatte für philosophische Außenseiter ein Ohr - sogar für Okkultisten (Siehe Hammer, S. 23 f), wenn es denn eine sachliche Verbindung gab. Seine sprichwörtliche Offenheit ging so weit, daß schließlich Rittelmeyer in Verkennung der Verhältnisse glaubte, er könne ihm fern von jedem fachlichen Bezug allein mit Steiners Fähigkeiten kommen. Und damit hat er sich verkalkuliert. Hätte er weniger verlangt, so hätte er vielleicht vieles bekommen. Er aber verlangte zu viel - und bekam nichts.

Rittelmeyers Zugang zur Anthroposophie bahnte sich erst seit 1910 an. Insofern muß man natürlich den Zeitbedarf dieses Annäherungsprozesses hinreichend würdigen. Aber Külpe kannte er 1915 schon seit mehr als zwölf Jahren und hätte vielleicht ahnen können, daß diesem mit dem Hinweis auf Steiners "außerordentliche Fähigkeiten" fachlich nicht geholfen war.

Wie dem auch sei: Als Unbeteiligter kommt man angesichts solcher Umstände unweigerlich ins Grübeln darüber, wieso ein Mann wie Rittelmeyer sich etliche Jahre Zeit nimmt, den nach seiner Auffassung einzigen zugänglichen und ihm auch noch nahestehenden Menschen der Wissenschaft mit der Anthroposophie in Berührung zu bringen, und dabei ausschließlich auf Steiners Fähigkeiten fixiert vorzugehen, anstatt sich an Sachfragen der damaligen Psychologie zu orientieren. Denn die hätten einen Mann wie Külpe weit mehr motivieren können. Und zwar aus guten Gründen. Damit war er nämlich tagtäglich konfrontiert. Das hätte eine persönliche Einbeziehung Steiners ganz und gar nicht ausgeschlossen. Aber sie wäre sachorientiert vorbereitet gewesen. Man hätte Külpe, einem pädagogischen Prinzip folgend, da abgeholt, wo er selbst stand, anstatt ihn mit spektakulären Fähigkeiten zu konfrontieren, zu denen er keinen operationalisierbaren fachlichen Zugang hatte. Vor diesem Hintergrund mutet es primadonnenhaft selbstgerecht an, wenn Rittelmeyer in diesem Kontext (S. 74) Klage darüber erhebt, daß sich die Wissenschaft nie um Rudolf Steiner gekümmert habe. Vielleicht hätte man sich nur ein wenig mehr und ein wenig tatsachenorientierter auf diese Wissenschaft zubewegen müssen, anstatt darauf zu bauen, daß diese kommt und Steiners Fähigkeiten entdeckt. Eine realistische Aussicht zu einer solchen Begegnung auf Sachebene hat zu Külpes Lebzeiten zweifellos bestanden. Vielleicht hat Rittelmeyer recht wenn er schreibt, daß nicht Steiner derjenige gewesen sei, der in diesem Fall versagt habe - aber war es Külpe mit seiner blassen Aura? (S. 72)

Die Sachlage verdient sicherlich eingehender (und wohl auch angemessener) untersucht zu werden als wir das an dieser Stelle tun können. Ein Eindruck, der sich allerdings aufdrängt wenn man Külpes Schaffen ein wenig kennt, ist der: Külpe war sich auf grund seiner fachlichen Erfahrung der explorativen Dimension des Rittelmeyerschen Anliegens in einer Deutlichkeit bewußt, die Rittelmeyer offenbar nicht nur damals fehlte, sondern auch noch Jahre später, als er seine Lebenserinnerungen in Buchform brachte. Külpe war alles andere als ein Oberflächling. Und bei seiner Zugänglichkeit war es sicherlich nicht der esoterische Aspekt allein, der ihn zurückschrecken ließ. Vielmehr hätte ihn die Aufgabe, so wie sie gestellt war, bei seinen Ansprüchen schlicht überfordert. Es war offensichtlich Rittelmeyers Strategie, ihn mit Steiners Fähigkeiten zu konfrontieren und von dort ausgehend mit ihm gemeinsam nach gangbaren Wegen zu suchen, "wie die Wissenschaft forschend an die Phänomene herankommen kann", wie Rittelmeyer es auf S. 72 beschreibt, was ihn letztlich zum ablehnenden Entschluß führte. Denn das ist - vorausgesetzt man nimmt sie wirklich ernst - eine ungeheuer komplexe Aufgabe für einen Psychologen von Külpes Format. Und sie ist nicht nur für den Psychologen schwer zu erfüllen, sie ist ja auch für Steiner selbst alles andere als ein Mittel erster Wahl, sich mit der Anthroposophie vertraut zu machen. Das letztere vor allem führt zur Verwunderung angesichts der Rittelmeyerschen Ausführungen, die immer wieder in den Gestus des anklagenden Bedauerns zurückfallen, die Wissenschaft hätte sich mehr um das Phänomen Rudolf Steiner kümmern müssen - obwohl Steiner selbst dieser Form der Begegnung weder einen tieferen Sinn noch irgend eine Art von nennenswerter wissenschaftlicher Fruchtbarkeit beimißt.

Vielleicht hat dieser Fehlschlag einen oder einen letzten Anstoß dazu gegeben: In der bald danach erschienenen Schrift Von Seelenrätseln jedenfalls scheint Steiner den Realitäten mehr Rechnung getragen zu haben, indem er einen vermittelnden Weg vorschlägt, der sich auch bei Külpe als gangbarer erwiesen hätte: Er besteht im explizit geäußerten Wunsch oder der Forderung in einem psychologischen Laboratorium arbeiten zu können, um zu zeigen wie das menschliche Wesen zum Schauen veranlagt ist. Wenn man weiß, daß bei Steiner das Denken schon zum schauenden Bewußtsein gehört, und Külpe wiederum in der Untersuchung von Denkvorgängen vor allem in den Jahren zuvor einen ausgesprochenen Forschungsschwerpunkt hatte, dann braucht es nicht viel Phantasie um sich auszumalen, was bei einer entsprechenden Anreicherung des Külpeschen Forschungsprogramms mit Fragen und Ideen seitens der Anthroposophie unter Umständen hätte erreicht werden können.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß in zeitlicher Nähe zu diesem mißglückten Versuch Walter Johannes Stein unter direkter Teilhabe Steiners seine Dissertation schrieb und eben das tat, was Rittelmeyer offensichtlich unterließ - nämlich an Methoden- und Sachfragen anzuknüpfen und nicht an "außerordentlichen Fähigkeiten" einer Ausnahmepersönlichkeit. Er thematisierte die Methode der Meditation als Mittel der Beobachtung des Denkens. (Siehe: Thomas Meyer, Walter Johannes Stein/Rudolf Steiner. Dokumentation eines wegweisenden Zusammenwirkens. Dornach 1985, S. 191) Freilich tat er das auch nur in homöopathischer Verdünnung ohne wirklich konkret zu werden, so daß man im Rahmen eines Forschungsprojektes davon hätte Gebrauch machen oder sich davon zu konkreten Schritten hätte anregen lassen können. Und als Steins Dissertation erschien war Külpe längst verstorben. Doch immerhin, es gab die Möglichkeit über Methoden der Anthroposophie auch im akademischen Umfeld zu reden. Und Külpe, um wieder an Rittelmeyer anzuknüpfen, hatte einen ausgesprochenen Interessenschwerpunkt gerade in diesen Dingen. Hatte auch hinreichende Erfahrungen mit unzulänglichen Methoden der Denkbeobachtung in den Jahren zuvor gesammelt, die dann breit in der Welt der Psychologen und Philosophen diskutiert wurden. Man war ja selbst bei diesen früheren Versuchen schon darauf gekommen, daß die Beobachtung des Denkens spezifische methodische Vorkehrungen in Richtung "Urwüchsigkeit" des Denkens verlangt um seiner erlebnismäßig hinreichend habhaft zu werden. Hier hätte sich vielleicht ein fruchtbarer Gesprächsfaden zu Külpes Zeit aufnehmen lassen.

So schreibt Karl Bühler, ein Külpeschüler, im Jahre 1907: "Es entspricht durchaus den hergebrachten Anschauungen über die Denkvorgänge, wenn man sie für etwas sehr Kompliziertes hält und glaubt, die Schwierigkeit ihrer Analyse liege hauptsächlich in dieser ihrer komplexen Natur. Daraus ergibt sich aber von selbst die Konsequenz, daß man sich, wenn man an eine solche Analyse herangeht, zunächst an die anscheinend einfachsten unter ihnen, alltägliche Urteile oder einfache Subsumptionen hält. Diese waren es denn auch, die man zuerst untersuchte. Dabei hat man aber, wie ich glaube, nicht genügend mit der Tatsache gerechnet, daß unsere seelischen Vorgänge mechanisiert werden können und dann aus dem Bewußtsein fast vollständig verschwinden. Nun ist es jedoch von vornherein klar, daß ein Vorgang der Beobachtung umso leichter zugänglich sein wird, je urwüchsiger er im Bewußtsein auftritt. Wenn das für das Denken der Fall sein soll, dann muß der Denkstoff dem Denkenden einige Schwierigkeiten bieten und ihm auch ein gewisses sachliches Interesse ablocken." (Karl Bühler, Tatsachen und Probleme zu einer Psychologie der Denkvorgänge. 1. Über Gedanken = Archiv für die gesamte Psychologie 9, 1907, S. 300 ff. ) Bühler glaubte sicherlich nicht zu unrecht, man könne dieses urwüchsige Erleben des Denkens dadurch erreichen, indem man der Versuchsperson interessante und relativ schwierige Fragen stellt, weil dann die Denkvorgänge nicht mechanisiert werden können. Denn das Denken hat dann etwas zu tun. Steiner war der Auffassung, man könne ein weit tiefgründigeres Erleben des Denkens dadurch erreichen, indem man Meditationen macht - vor allem Sinnbildmeditationen. Und eben diese werden auch von Walter Johannes Stein aufgeführt. Aber wie gesagt: auf eine Weise, daß für den Außenstehenden kaum klar zu erkennen ist, wovon er überhaupt spricht, geschweige denn daß man sie methodisch einsetzen könnte. Dabei hat die Sache einen vollkommen durchsichtigen und methodisch-rationalen Kern, der sich mit den Intentionen Bühlers durchaus deckt. Über den man sich auch vernünftig und fachbezogen unterhalten kann. Denn es geht in diesen Meditationen vor allem darum, die Kraft des Denkens zu verstärken. Das ist ein Punkt, der sich in den methodischen Überlegungen Karl Bühlers noch nicht findet. Der aber einem an methodischen Fragen interessierten Denkpsychologen unmittelbar einleuchten wird. Gewiß ist es auch in manchen anderen Forschungsfeldern aussichtsreich, den trainierten Geist zu untersuchen, wie es in einem Spiegelartikel vom 09. Juni 1905 unter Hinweis auf entsprechende Überlegungen im Wissenschaftsmagazin Science hieß. 42b Bei der tiefer gehenden Untersuchung von Denkvorgängen spielt dieses Training für Steiner eine Schlüsselrolle. Bei Steiner wird Urwüchsigkeit des Denkens also nicht bloß mittelbar erreicht durch eine die Denktätigkeit belebende interessante und ausgewählte Fragestellung im Denk-Experiment, sondern sie wird erreicht, indem die Denk-Kraft schon weit im Vorfeld direkt und nachhaltig befördert und verstärkt wird. Was ohne Frage von erheblicher qualitativer Bedeutung für ein Denk-Experiment ist. Auf diesen methodischen Gesichtspunkt der Meditation - Verstärkung der Denk-Kraft - weist Steiner so häufig hin, daß ich mir hier einen ausführlicheren Beleg spare. Einiges dazu findet der Leser an anderer Stelle auf dieser Homepage. Sehr prägnant wird dieser Aspekt auch angesprochen im gemeinschaftlich von Ita Wegmann und Rudolf Steiner herausgegebenen Band Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst (GA-27, Dornach 1977, S. 8 ff). Man könnte ebenso den ganzen Bereich der sogenannten Nebenübungen methodisch ins Gespräch bringen, denn die sind nicht minder interessant und bedeutsam für die Psychologie des Denkens. Es gibt also reichlich Anlass und Gelegenheit mit Denkpsychologen ins methodische Gespräch zu kommen, ohne in irgend einen nebulösen Mystizismus oder nur ins abstrakt Philosophische abgleiten zu müssen. Man muß nur konkret werden, das ist eine Forderung, die sich aus dieser methodischen Verwandtschaft ableiten läßt. Und konkret werden könnte etwa heißen, daß eine Einrichtung wie das Friedrich von Hardenberg Institut in Heidelberg sich einmal mit dem Institut für Sozialpsychologie der Universität Hamburg (im Internet erreichbar unter www.introspektion.net\index.html ) in Verbindung setzt und sondiert, ob und wie weit Möglichkeiten einer Zusammenarbeit bestehen. Denn in diesem Hamburger Institut versucht man unter anderem experimentell an die Überlegungen der Würzburger anzuknüpfen. Das wäre also ein passender Gesprächspartner.

Vielleicht ist es nur ein Zufall ohne innere sachliche Verbindung, wenn Walter Johannes Stein in seiner Dissertation schreibt: "Und so kann man auch die Wirklichkeit des Denkens nicht erfassen, wenn man bloß das Logische am Denken beachtet. Das Denken, das für das gewöhnliche Bewußtsein unbeobachtetes Element ist, muß nicht bloß gedacht, sondern auch beobachtet werden. Das Denken selbst muß wahrgenommen werden. Mit dieser Forderung deuten wir auf ein Zweifaches im Denken. Einmal auf das, was jeder kennt, das in der Erinnerung anschaubare Denken, von dem zum Beispiel Husserl spricht. Dann auf das aktuell gegenwärtige Denken, das völlig unanschaulich ist für das gewöhnliche Bewußtsein." (Thomas Meyer, a.a.O., S. 195) Eben auf dieses gegenwärtige und nicht bloß logische Denken hatten die Würzburger unter Külpe, namentlich Bühler in seinen Versuchen, ihre Aufmerksamkeit gerichtet. Und das Vorhandensein völlig unanschaulicher, aber substantiell tragender Elemente, war gerade eines der bedeutendsten und spektakulärsten Resultate ihrer Untersuchung.

Wer sich von anthroposophischer Seite eingehender mit Steiners Begriff des intuitiven Denkens befaßt, der kommt sehr bald darauf, daß dieses intuitive Denken dasselbe bedeutet wie das reine oder sinnlichkeitsfreie Denken. Was so viel heißt wie: dieses intuitive Denken ist von seiner wesentlichen Erfahrungsseite her anschauungslos oder sinnlichkeitsfrei. Und diese Sinnlichkeitsfreiheit wiederum ist das entscheidende Merkmal des schauenden Vermögens für Rudolf Steiner. Anders gesagt: die Wüzburger haben eigentlich dasjenige entdeckt, was Steiner in Wahrheit und Wissenschaft die intellektuelle Anschauung genannt hat. Und was dann in der Philosophie der Freiheit unter anderem unter dem Ausdruck intuitives Denken firmiert. Und das ist für Steiner die elementartse Stufe des rein geistigen Erlebens und Erkennens respektive der übersinnlichen Wahrnehmung. (Näheres siehe hier) Diese Gemeinsamkeit verdient näher betrachtet zu werden. Solange man nur philosophisch-distanziert über diese Dinge redet oder sich gedanklich in einen Kokon anthroposophischer Selbstgenügsamkeit einspinnt, wird man die Frage, ob hier nur eine äußerlich-zufällige Koinzidenz oder ein innerer sachlicher Zusammenhang besteht, nicht klären können. Man muß sich schon konkret darauf einlassen.

Nun berichte ich diese Episode nicht um nur etwas mit Rittelmeyer oder Walter Johannes Stein auszufechten, sondern weil die Zeiten inzwischen so sind, daß früher oder später eine analoge Konstellation wie die zwischen Rittelmeyer und Külpe mit einiger Wahrscheinlichkeit eintreten kann. Denn Fragen der Bewußtseinspsychologie, die man lange tabuisiert hatte, sind wieder vermehrt Gegenstand des wissenschaftlichen Interesses. Sie kommen allmählich aus ihrem Nischendasein wieder ans Freie. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, wann sich eine ähnlich günstige Gelegenheit für den Forschungskontakt neuerlich bietet. Und darauf sollten die Anthroposophen vorbereitet sein.

Leider, so muß man festhalten, war es der introspektiven Psychologie nicht vergönnt, sich so weit zu entfalten, daß sie in den Weg hätte einmünden können, den die Anthroposophie beschreitet, oder wenigstens soweit, daß sich die Konturen eines solchen Weges hinreichend deutlich abgezeichnet hätten, so daß man ihm im Rahmen eines Forschungsprogramms vielleicht nachgegangen wäre. Angelegt scheint diese Möglichkeit im Prinzip gewesen zu sein, wenn man sich an die Überlegungen Oswald Külpes erinnert.

Nach der heutigen Lage der Dinge ist es für die Anthroposophie ganz unverzichtbar, sich unter Einbeziehung des psychologischen Umfeldes mit dem Begriff der Selbstbeobachtung neu und weitläufig auseinanderzusetzen, wenn sie nicht der fundamentalen und vernichtenden Kritik an ihrer Methode ebenso hilflos ausgeliefert sein will wie seinerzeit die introspektive Psychologie. Das ist ein Resultat, das sich bei entsprechender Beschäftigung mit dem Werdegang der introspektiven Psychologie ableiten läßt. Hält man sich zudem die potentiellen Entwicklungsmöglichkeiten dieser Psychologie vor Augen, dann dürfte das allein schon Anlaß genug sein, sich mit ihr eingehender zu befassen und es kann auch nicht überraschen, daß Steiner selbst auf die Notwendigkeit eines unabhängigen psychologischen Zugangs zur Anthroposophie eindringlich hingewiesen hat. Er war überzeugt von der Realisierbarkeit eines vermittelnden Wissenschaftsweges zur Anthroposophie, der die letztere nicht immer schon voraussetzt, sondern die Verfahren der nicht-anthroposophischen Psychologie aufgreift. Was ihm in dieser Hinsicht unentbehrlich schien, war ein psychologisches Laboratorium, wie wir es bereits oben angeführt haben: "Will man nämlich die beste Grundlage schaffen zu anthropologisch-psychologischen Ergebnissen, die bis an die <Erkenntnis-Grenzorte> gehen, an denen sich Anthropologie mit Anthroposophie treffen muß, so kann dies durch ein psychologisches Laboratorium geschehen, wie ein solches Brentano in Gedanken vorgeschwebt hat. Um die Tatsachen des <schauenden Bewußtseins> herbeizuführen, brauchten in einem solchen Laboratorium keine Experimentalmethoden gesucht zu werden, aber durch diejenigen Experimentalmethoden, die gesucht werden, würde sich offenbaren, wie die menschliche Wesenheit zu diesem Schauen veranlagt ist, und wie von dem gewöhnlichen das schauende Bewußtsein gefordert wird. Jeder, der auf dem anthroposophischen Gesichtspunkt steht, sehnt sich ebenso wie Brentano, in einem echten psychologischen Laboratorium arbeiten zu können, was durch die heute noch gegen die Anthroposophie herrschenden Vorurteile unmöglich ist." 43. Dem wäre weiter nichts hinzuzufügen als die Bemerkung, daß eine solche Arbeit sich zweifellos in den Kontext der zeitgenössischen Psychologie eingefügt und sich deren Sprachgebrauch, methodologische Kategorien und Problembewußtsein zu eigen gemacht hätte.

Ende Kapitel 4


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